[In Rio ging's den Machtausübenden ums Geld, verfangen in der Wachstumsideologie.]
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Einige CleanTech Antworten auf Rio+20 Fragen
Die ideologisch wirren Schafe vonSwissCleanTech... DRS-Reporter Fredy Gsteiger sprach in Rio übers Telefon mit SwissCleanTech Chef Nick Beglinger.

Herr Gsteiger stellte realistische Fragen, bekam jedoch wollige Antworten, welche an den Fragen vorbeigehen.

Das hat Methode, wenn man verkaufen will und deshalb die harten Antworten meidet.

Lesen Sie das Fragegespräch und die eingefügten wissenschaftlichen Richtigstellungen weiter unten
[Vergleichen Sie auch:
  • Die ökologisch wirren Schafe von SwissCleanTech
  • "Rio" +5 +20 +40 - The Carnival Continues
  • "Grüne Wirtschaft" und Wachstum - DRS Reportage von Priscilla Imboden
  • [farbige Hervorhebungenen und Kommentare von ecoglobe.ch]

    Radio DRS Echo vom 20.6.2012

    [DRS] [Audio (neues Fenster)]:
    "Im grössten Teil der Welt setze man blind auf Wachstum, hat Gro Harlem Brundtland im Bericht von Fredy Gsteiger eben kritisiert. Und hier liegt ein ganz entscheidender Punkt in der Diskussion. Umweltökonom Nico Paech von der Universität Oldenburg brachte es gestern in unserer Sendung so auf den Punkt:
    [Nico Paech:] "Sie müssen sich dann entscheiden, ob Sie Wachstum oder Ökologie haben wollen. Beides kriegen Sie nicht."
    [Fredy Gsteiger:] "Das heisst, es gibt kein grünes Wachstum."
    [Nico Paech:] "Es ist eine Illusion und vor allem auch eine Mogelpackung, weil hat jemals eine technische Innovation irgendwo zu einer Entlastung der Umwelt geführt? Ich finde kein Beispiel. Das ist das Problem." [Audio vom 19.6.12]
    [ecoglobe: Peach macht einen Denkfehler und einen Argumentationsfehler. Er setzt Wachstum mit neuer Technologie gleich und er geht von der Annahme aus, Technologie würde die Umwelt schützen.]

    [Gsteiger:] "Diese happige These hat Nick Beglinger, Präsident des Wirtschaftsverbandes SwissCleanTech, und Mitgleid der Schweizer Delegation in Rio zu einer Reaktion provoziert. Den SwissCleanTech vertritt die führenden CleanTech Unternehmen der Schweiz, die an Wachstum und Umweltschatz glauben."

    [ecoglobe: "Clean" ist nicht definiert. Die SwissCleanTech-Mitglieder glauben keineswegs an Wachstum und saubere Technologie. Sie wissen, dass "sauber" ein relativer Begriff ist und dass immer Ressourcenverbrauch und Schadstoffe anfallen. SwissCleanTech ist ein cleveres Marketing-Instrument. Kein normaler Mensch glaubt, dass man ewig weiterwachsen kann.]

    [Gsteiger:] "Während er auf einer heissen Strasse in Rio stand, habe ich ihn gefragt:
    Wenn zum Beispiel in ein Haus eine Wärmedämmung eingebaut wird, dann steige das zwar die Energieeffizienz, aber gleichzeitig werden teure, vielleicht sogar giftige Materialien verwendet. Sprich: es gibt doch immer eine energie-intensive, umweltschädigende Kehrseite vom GreenTech."

    [ecoglobe: Richtig. Jede Arbeit braucht Material und erzeugt Abfall. Laut einem Artikel im Spiegel scheinen giftige, feuergefähliche Fassadendämmstoffe in Deutschland sogar die Regel zu sein. Vgl. "...Marktanteil 80 %". ]

    [Beglinger:] "Nein. Dieser Meinung bin ich nicht. Ich finde das Beispiel Haus ein sehr gutes. Man kann genau wie viel Energie es braucht um Dämmstoffe herzustellen, die sogenannte "embodied" Energie oder die Energie die eben in der Herstellung eingeschlossen ist. Man kann rechnen, das man viel, bedeutend weniger Energie braucht, diese Dämmstoffe herzustellen, wie sie dann in der Dämmung Energie sparen. Das kann man heute rechnen. Das ist Wissenschaft und wir sind der Meinung, dass es sich eben lohnt, das zu tun. [ecoglobe: Richtig!]
    Sprich, dass man die ökologischen und die ökonomischen Ziele vereinbaren kann." [ecoglobe: Falsche Schlussfolgerung!]

    [Gsteiger:] "Man könnte aber einwenden, ein solches sogenanntes Passivhaus braucht so wenig Energie, dass der Besitzer gleich ein grösseres Haus bauen wird, was dann den positiven Effekt des Sparens wieder auffrisst und das wird doch in der Realität vorkommen.

    [ecoglobe: Das "Rebound"-Scheinargument! Sparen lohnt sich immer. Soziales Verhalten widerlegt die Technik nicht. Vgl. "Rückpralleffekt".]

    [Beglinger:] Das kommt in einzelnen Fällen womöglich vor. Das ist aber sicherlich die Ausnahme. Es ist richtig, dass wir mit mehr Rohstoff etwas mehr Oberfläche brauchen. Das sind aber in den Bereichen 10 20 Prozent. Wenn man richtig denkt und die richtige Energiesysteme im Haus einsetzt, dann kann man ein Faktor fünf, manchmal sechs, an Energie sparen. Das sind also ganz andere Dimensionen und darum hält meines Erachtens das Argument nicht. Es ist übrigens auch nicht so, dass die Dämmstoffe gleich giftig sein müssen. Da gibt es auch unterschiedliche Qualitäten. Wir haben Mitgleider bei SwissCleanTech, die stellen Dämmstoffe her aus natürlichen, rezyklierbaren Materialien. Denn also sehen wir dieses Problem ganz anders.
    [ecoglobe: In dieser Hinsicht ganz richtig!]

    [Gsteiger:] Es gibt eine Studie des Bundesamtes für Umwelt, die sagt, die schmutzigen Teile der Wertschöpfung der Schweiz, die werden einfach ausgelagert, und zwar zu 60 Prozent, und die fallen dann in anderen Ländern an, wo diese Teile oder diese Bestandteile produziert werden.
    [ecoglobe: richtig! Gleiches glit für die oft hervorgebrauchte Behauptung, der Energieverbrauch könne vom Wirtschaftswachstum losgekoppelt werden. Das BIP (Brutto Inland Produkt) bewertet alles, auch riesige viruelle Börsenumsätze und Kunsthandel, die vergleichsweise sehr wenig Material und Energie verbrauchen. Deswegen ist das Verhältnis "Materialverbrauchbzw. Energieverbrauch zu BIP ein ungültiges und irreführendes. Vgl. "Decoupling" ]

    [Beglinger:] Dieses Argument ist ein sehr wichtiges. Deswegen ist eben auch eine Konferenz wie Rio sehr wichtig. Das Thema "grüne Wirtschaft, das Thema "nachhaltige Entwicklung muss in der Tat auf internationaler Stufe diskutiert werden. Es müssen international Lösungen gefunden werden. Hier kann die Schweiz eine richtige Rolle spielen und das tut sie auch. Wir sind sehr aktiv daran, unser Wissen, wie man eben Ökologie und Ökonomie vereint, auch aktiv ins Ausland zu tragen, damit es den weniger entwickelten Ländern möglich ist, ihren Wohlstand zu steigern ohne dabei den Ressourcenverbrauch so negativ zu steigern. Sprich: wir versuchen mit Technologietransfer auch Wissen bezüglich den richtigen regulatorischen Rahmenbedingungen die es braucht, die Länder auf ein anderes Wachstumspfad zu bringen.
    [ecoglobe: Das ist der übliche Irrglaube, Technik könne umweltneutrales Wachstum erzeugen und Wachstum könnte nachhaltig sein und ohne Ressourcenmehrverbrauch geschehen. Gutes Marketing aber ökologisch falsch und überheblich. Internationale Konferenzen können gar kein Ergebnis erbringen, weil hier nur Funktionnäre und die Wachstumsgläubigen Machtausübenden aus Wirtschaft, Politik und der Disziplin der Ökonomie das Sagen haben.]

    [Fredy Gsteiger:] "Eine ganz entscheidende Frage wird ja sein, gibt es Ökologie und Wachstum. Wenn wir zum Beispiel Solaranlagen nehmen. Eine Solaranlage ist wartungsarm. Es hat wenig Zulieferinsdustrieen und ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Solarpanel mehr Arbeitsplätze schafft als die Kohleindustrie im Ruhrpott."
    [ecoglobe: Es geht nicht um Arbeitsplätze. Die gehen sowieso durch die Globalisierung und den sogenannten "Freihandel" verloren. Unter dem Regime wird alles was transportiert werden kann schlussendlich dort hergestellt, wo die Bedingungen am billigsten sind und der Umweltschutz am tiefsten. Nur Klima, Bodenbeschaffenheit, eine gewisse Präzions- und Wissenstradition eines Volkes, sowie Produkte die keine lange Reise ertragen, schützen lokale Arbeitsplätze.]

    [Nick Beglinger:] "Ich kann mir das sehr wohl vorstellen. Und die Wertschöpfungskette ist ziemlich klar. Ein Solarpanel muss installiert werden. Das ganze muss berechnet werden. Man muss die Panels reinigen. Die Wärmepumpen, die die Ölheizung ersetzen, müssen installiert werden. Damit entstehen Arbeitsplätze. Diese Arbeitsplätze sind von höherer Qualität als die Arbeitsplätze in der Kohlindustrie. Das heisst, wenn man sich von der fossilen Energie löst, wenn man also den Schweizerfranken nicht nach Kasachstan schickt um irgendwelche fossile Energien zu kaufen, die man dann verbrennt um dann gleich neue wieder kaufen zu müssen, bringt man die Wertschöpfung ins Inland, insuliert Häuser, installiert Wärmepumpensetzt auf erneuerbare Energien im Inland und somit hat das ganz klar einen positiven Effekt auf die Arbeitsplätze. "
    [ecoglobe: Die Lebensdauer von Solaranlagen (und Windenergieanlagen) ist sehr beschränkt. Diese Elektrizität ist erneuerbar weil Herstellung und Betrieb der Anlagen voll von fossilen Energien abhängen. Ausserdem ist es nur ein Märchen, dass die Elektrizität die fossilen Energien ersetuzen könnten und somit unsere heutige Luxusgesellschaft aufrechterhalten, ohne dass wir unsere Welt dadurch zerstören. ]

    [Fredy Gsteiger:] "Auf die Arbeitsplätze in der Schweiz?"
    [ecoglobe: Gute Frage. Es ist nämlich keineswegs sicher, dass die lokalen Installations- und Unterhaltsarbeiten aufwiegen gegen den Verlust ganzer Industriezweige, die ins billige Ausland ausgelagert werden.]

    [Nick Beglinger:] "Richtig. Auf die Arbeitsplätze in der Schweiz. Und wenn in China Solarpanels hergestellt werden hat das auch einen positiven Effekt auf die Arbeitsplätze in China. Und eben, wichtig zu beachten: eine Arbeitsplatz in einem Kohlebergwerk ist ein qualitativ schlechter Arbeitsplatz. Es ist ungesund und gefährlich, dort zu arbeiten. Diese Stellen erhalten zu wollen, ist sicher nicht der richtige Weg."

    [Fredy Gsteiger:] "Und wenn Sie es ganz kurz auf den Punkt bringen, nach Ihrer Meinung, wann können Wachstum und Ökologie zusammengehen?"
    [ecoglobe: Falsche Frage. Ökologie ist eine Wissenschaft. Wachstum ist die Steigerung des BIPs, der Produktion und des Konsums. Wissenschaft kann man immer betreiben. Umweltschutz und Nachhaltigkeit vertragen sich jedoch niemals mit Wachstum. Nachhaltigkeit und Wachstum schliessen sich gegenseitig aus.

    [Nick Beglinger:] "Die Frage ist, wie man Wachstum definiert. Im Moment sind wir ganz klar auf dem Brutto-Inland-Produkt, oder eben auf dem JieDiePie, auf das fokussiert. Hier in Rio ist es eben genau ein Thema, beyond GDP, also über das GieDiePie hinaus zu denken. Wir müssen neu definieren, was heisst genau Wachstum. Und qualitatives WAchstum heisst eben den Wohlstand zu steigern und nicht einfach nur mehr zu verbrauchen. Das heisst, es braucht eine saubere Definition, was Wachstum heisst und dann kann man Wachstum in Wohlstand und wirtschaftlicher Entwicklung absolut zu Stand bringen."
    [ecoglobe: Grundfalsch! Wohlstandssteigerung bedeutet immer Mehrverbrauch. Das gilt auch für das sogenannte "qualitative Wachstum" Vgl. "Brief an Herr Sturm (KOF) "Qualitatives Wachstum", Effizienssteigerung und Dienstleistungen." Herr Beglinger meint vielleicht Wohlbefinden stat Wohlstand. Aber in dem Fall, bei weniger Konsum und höherem Wohlbefinden, geht das BIP zurück, das Gegenteil von dem was die Ökonomen wollen. Hier verstehen die Wachstumsgläubigen nicht mal ihr eigene wirtschaftliche Theorie und die Praxis. Wachstum erzeugt immer Mehrverbrauch. Eine Neudefinition ändert daran nichts.]


    [Fredy Gsteiger:] "Nick Beglinger, Präsident von SwissCleanTech, in Rio."
    [ecoglobe: Das letzte Wort hat die harte Wirklichkeit, die Endlichkeit der Ressourcen und das nahe Ende des heutigen Erdölfördermaximums.] []

    [Vgl. "Umweltbelastung = Bevölkerungsgrösse X Wohlstand X Technikniveau" I=PxAxT"]
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