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Das WEF Davos Open Forum und die FEK - eine Analyse
on Sustainability and Economic Growth
Davos 2011

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from Helmut Lubbers hide details 5 Feb (6 days ago) reply-to helmut@ecoglobe.ch
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cc thomas.wipf@sek-feps.ch
date 5 Feb 2008 10:30
subject Bewertung des WEF Open Forums 2008...
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Guten Tag,

In Ihrer Medienmitteilung vom 29.1.2008 schreiben Sie unter anderem:

"Aus Sicht der Veranstalter SEK und WEF wurden die Ziele des Open Forum Davos 2006 voll erreicht: einen öffentlichen Dialog zwischen Teilnehmenden des WEF und Expertinnen und Experten sowie der Bevölkerung ausserhalb des WEF ermöglichen; Meinungsbildung und die Suche nach Lösungen für zentrale Herausforderungen unserer Zeit zu fördern; und Positionen der Veranstalter und Ko-Organisatoren profiliert einzubringen.

«Mit dieser Dialogplattform ist es erfolgreich gelungen, Herausforderungen der Globalisierung zu benennen und gemeinsam Lösungsansätze zu finden. Wir haben Teilnehmende aus dem WEF in die Diskussion mit der Bevölkerung bringen können», so Thomas Wipf, Präsident des Rates SEK anlässlich seines Schlusswortes. «Der hohe Gehalt der Diskussionen und das grosse Interesse der Bevölkerung bestärken uns, diese wichtige Veranstaltung weiterzuführen», so André Schneider, Generaldirektor WEF."
(Quelle: http://www.sek-feps.ch/medien/communiqu-s/nn_communique/2008/080126-open-forum-davos-andersdenkende-kommen-zu-wort.html )

In der Session 5 ("Braucht es Wirtschaftswachstum für mehr Nachhaltigkeit?") war das leider nicht der Fall. Im Gegenteil. Herr Dirk Schütz verfehlte seine Aufgabe als Diskussionsleiter gänzlich. Zuerst forderte er alle Podiumsteilnehmer auf, sich zu der allgemeinen Weltwirtschaftssituation zu äussern, was nichts mit der Fragestellung der Veranstaltung zu tun hatte. Als man dann endlich nur halbwegs zur Thematik kam, glänzten die Podiumsteilnehmer durch wissenschaftlich nachweisslich falschen Aussagen und solche, die an der vorgegebenen Thematik vorbeigingen.

Von einer Diskussion kann keine Rede sein, wenn ein Mitglied des Publikums nur Fragen stellen kann und die PodiumsteilnehmerInnen dürfen dann diskussionslos ihre Meinungen vertreten.

Die PodiumteilnehmerInnen waren Wirtschaftsvertreter und diese sind keineswegs Spezialist in Sachen ökologischer Nachhaltigkeit.

Unverständlich ist es, warum bei solchen Themen keine WissenschaftlerInnen eingeladen werden, sondern nur Vertreter der Disziplin der Wirtschaftswissenschaften und des politischen Establishments. Auch die Australierin, Vertreterin der Gewerkschaften, muss dazu gezählt werden. Herr Schütz sagte in aller Naivität am Schluss, dass alle damit einverstanden waren, dass Wachstum nötig ist, was der Wahrheit nicht entsprach.

Natürlich ist es ganz im Sinne des Interessenverbandes WEF, nur solche Podiumsteilnehmer zu haben. Aber wo liegt das Interesse der SEK?
Ob Wachstum nötig ist für Nachhaltigkeit wurde gar nicht diskutiert. Die Podiumsteilnehmerinnen und die Fragensteller aus dem Publikum drifteten ab in allgemeinere politische und wirtschaftliche Fragen. Die Nachhaltigkeitsfrage wurde, wie die fast immer passiert, auf Klimawandel und dann auf alternative Kraftstoffe verkürzt.

Den Vogel vollends abgeschossen hat der Herr Ricardo Hausmann, der frischfröhlich behaupten konnte, dass es genügend Land und Natur und Wasser gibt um die ganze Welt mit Biotreibstoffen zu versorgen. Der Club of Rome und Malthus mussten dafür herhalten, dass alle Warner nur Pessimisten sind. Dabei wurden Malthus und "The Limits to Growth" nie widerlegt. Im Gegenteil. Es sieht immer mehr danach aus, dass die Menschheit bald Ihre letzten Grenzen erreicht hat und in vielen Bereichen bereits weit überschritten.

Diese Session war nach ökologischen und diskussionstechnischen Kriterien also kein Erfolg.

Ich denke schon, dass der Kirchenbund SEK gutes vorhat. Aber es erscheint ökologisch kontraprodutiv, eine Veranstaltung zusammen mit dem WEF zu organisieren. Herr Klaus Schwab und sein Club sind für "die Verbesserung des Zustandes der Welt" aber Ihre Politik dient faktisch nur dem Geschäft. Dagegen ist nichts einzuwenden, wäre es nicht, dass die Flagge die Ladung nicht deckt. Herkömmliches Geschäften kann die Erde nicht vor dem Untergang retten. Zusammenarbeit mit dem WEF in Sachen Nachhaltigkeitsdiskussion dient auf diese Weise schlussendlich nur den Werbezielen des WEF.

"Nachhaltig" ist eine Gesellschaft, wenn sie unverändert lange so weitergeführt werden kann. Da die Welt und ihre Rohstoffvorräte endlich sind, ist Wachstum von vornherein nicht nachhaltig. Nachhaltiges Wachstum und dergleichen sind nicht möglich. Dieses Faktum kann ich Ihnen gerne in allen Einzelheiten darlegen. Bereits die Fragestellung ist also ideologisch eingefärbt. Die Wahl der PodiumsteilnehmerInnen und das frontale Format machten, wie bereits oben gesagt, eine sachkundige Diskussion unmöglich.

Ein WEF, dass mit seinen Eingeladenen immer für weitere Wirtschaftsexpansion wirbt und wirkt, fördert in Tat und Wahrheit jene Prozesse, die zu einer weiteren Destruktion unserer Welt führen. Das vorhersehbare Ende sind Endzeitkriege um das letzte Trinkwasser und das letzte Essen.

Bitte glauben Sie mir, dass ich diese Zeilen nicht nur so hinschreibe, aus Frust oder so. Ich bin ein ernsthafter Umweltwissenschaftler und kann Ihnen versichern, dass ich jedes Wort weiter begründen kann. Ich bin bei weitem nicht der einzige, der diese wissenschaftlich begründete Meinung vertrete. Nur kommen wir andersdenkende nicht zu Worte. Wenn die Diskussion von vornherein voreingenommen ist und von den Meinungsführern so eingerahmt ist, können sie lange unter sich weiterreden und nicht merken, dass der Herrscher am Ende keine Kleider an hat.

Jedes Jahr wird die Erde relativ kleiner, weil es mehr Menschen gibt, die alle ernährt werden wollen und Unterkunft und Arbeit brauchen. Jedes Jahr gibt es weniger Rohstoffvorräte, mehr Abfall und und und. Dennoch meinen die MeinungsführerInnen in Politik und Wirtschaft, man könne und solle immer weiter expandieren (wirstschaftlich wachsen). Solche Meinungen und Hoffnungen auf künftige Erfindungen helfen uns dabei leider nicht weiter und die Wachstumspolitik ist suizidär für die Menschheit.

Ich bin gerne bereit, in einem persönlichen Gespräch Einzelheiten und Fakten über Wirtschaftswachstum und Umweltbelastung zu besprechen. Ich habe auch genaue Vorstellungen darüber, wie man eine wirklich Debatte unter mehreren TeilnehmerInnen gestalten kann, die sachlich richtig ist und weiterführt.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit und feue mich auf Ihre Reaktion.

Mit freundlichen Grüssen,

Helmut Lubbers
Umweltwissenschaftler


-- Helmut Lubbers, BE MSocSc DipEcol
ecoglobe - ecology discovery foundation
+41 22 3212320 helmut@ecoglobe.ch
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Davos Open Forum - Session 5:
"Do We Need Economic Growth to Get More Sustainability?"
Some environmental statements and comments

Below is the transcript of my part. Admittedly it is very direct and it tries to englobe many issues. A polished and concise version could read as follows:
    My name is Helmut Lubbers. I am an enviromtental scientist and founding trustee of ecoglobe.
    The official issue of this Forum is "Do We Need Economic Growth to Get More Sustainability?"
    The answer is twofold.
    First, "Sustainability" does not need economic growth and
    second, economic growth is factually and always detrimental to "sustainablity".
    Humanity is already overloading this planet by far. Because of economic and population growth the earth is getting relatively smaller and smaller.
Transcript from the forum video:

    Braucht es Wirtschaftswachstum für mehr Nachhaltigkeit?

    Samstag 26. Januar 2008, 12.45 - 14.15 Uhr

    Videoaufzeichnung des Panels ansehen

    mitdiskutieren

    Ob Wirtschaftswachstum zu mehr ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit führt, ist kontrovers. Wirtschaftswachstum sei notwendig, um über neue Technologien und höherwertige Produkte zu einem sparsameren Umgang mit natürlichen Ressourcen, mehr Umweltschutz und zu sozialem Fortschritt zu kommen – argumentieren die Befürworter. Kritiker behaupten, Wirtschaftswachstum basiere auf globalen Produktions- und Konsummustern, die unsere natürlichen Lebensgrundlagen zerstören und soziale Ungleichheiten erhöhen.

    1. Welches Wirtschaftswachstum brauchen wir, um die sozialen und ökologischen Probleme zu lösen? Oder kostet uns das wirtschaftliche Wachstum mehr als es uns bringt?
    2. Was können die Innovationen bei umweltfreundlichen Technologien der Wirtschaft bringen? Ist ein neuer Wirtschaftsboom zu erwarten?
    3. Welche Nachhaltigkeitsstrategien verfolgen wachstumsstarke Länder wie Brasilien, Russland, Indien oder China?
    Gäste:
    Sharan Burrow, Präsidentin, International Trade Union Confederation, Brüssel
    Ricardo Hausmann, Direktor, Center for International Development; Professor of the Practice of Economic Development, John F. Kennedy School of Government, Harvard University, USA
    John Itty, Professor, School of People’s Economics, Indien
    Pascal Couchepin, Bundespräsident, Eidgenössisches Departement des Innern, Bern
    Ndi Okereke-Onyiuke, Generaldirektorin und CEO, Nigerianische Börse, Nigeria

    Moderation:
    Dirk Schütz, Chefredator Bilanz (source: http://www.openforumdavos.ch/programm/nachhaltigkeit.html 11.2.08)

    Open Forum Davos

    24. - 26. Januar 2008

    Open Forum Davos: Andersdenkende kommen zu Wort

    Das sechste Open Forum Davos wurde erfolgreich abgeschlossen. Bis zu vierhundert Gäste haben sieben öffentliche Debatten verfolgt und mitgestaltet. Der Schweizerische Evangelische Kirchenbund (SEK) und das World Economic Forum haben angekündigt, auch im kommenden Jahr das Open Forum Davos durchzuführen.

    Das Open Forum Davos ist auch in seiner sechsten Ausgabe erfolgreich verlaufen. «Die Debatten waren kontrovers, offen und beharrlich», bilanziert Thomas Wipf, Präsident des Rates SEK. «Zu verdanken haben wir dies neben den Panelisten vor allem der Öffentlichkeit, die auch 2008 die Debatten engagiert mit gestaltet hat.»

    Das Open Forum Davos ermöglicht den offenen und kritischen Dialog. In diesem Jahr standen sieben Themen auf dem Programm. Die Panelisten, die jeweils zur Hälfte vom SEK und zur Hälfte vom Weltwirtschaftsforum eingeladen waren, sorgten durch ihre fundierte Innenperspektive für spannende Debatten. Das Publikum sensibilisierte durch gezielte Fragen und Statements die auf dem Panel vertretenen Spitzen aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. So setzte sich die Debatte über die «Rückkehr des Religiösen» auch mit der Schweizer «Minarettinitiative» auseinander. Die Panels zur Zukunft der USA und Russlands zeigten, dass zu einem vollen Erfassen einer Problemlage das unvoreingenommene Anhören aller Seiten nötig ist.

    Bundespräsident Pascal Couchepin betonte schon während seiner Eröffnungsrede des parallel stattfindenden Weltwirtschaftsforums die Bedeutung des Open Forum Davos. Hier sei der Ort geschaffen, wo Andersdenkende zu Wort kommen könnten.

    Das Open Forum Davos wird auch im kommenden Jahr wieder durchgeführt. Weiterhin geöffnet bleibt die Internetplattform www.openforumdavos.ch. Dort können neben anderem Videoaufzeichnungen der Panels angesehen sowie Themenvorschläge für das kommende Open Forum Davos abgegeben werden. (source: http://www.openforumdavos.ch/ 11.2.08)