ecostory 69/2005
Tagesgespräch mit Herrn Hartel,
Geschäftsführer der Erdölvereinigung - 28.12.2005

Startseite - Page principale (home) | Wachstumsdikussion | Nachhaltigkeit | (zurück - retour - back)

Tagesgespräch im Radio DRS-1 vom 28.12.2005 (audio)

Für die meisten Schlagzeilen in der Wirtschaftwelt hat in diesem Jahr [2005] das Erdöl gesorgt. Anfang des Jahres hat das Fass Rohöl noch 40 US-Dollar gekostet, im Herbst war der Preis zeitweise auf über 70 Dollar geklettert. Grund für diesen Preisanstieg gab es verschiedene, z.B. China und Indien, die immer mehr Öl verbrauchen oder der Wirbelsturm Catherina, der Ölraffinerien im Golf von Mexiko kaput machte oder die politische Situation im nahen Osten, die Unsicherheiten im Erdölmarkt brachten. Jemand, der ganz genau mitverfolgt, wie sich Angebot und Nachfrage im internationalen Ölgeschäft entwickeln, ist Rolf Hartel. Er ist Geschäftsführer von der Erdölvereinigung, das ist die Organisation von den grossen Erdölimporteuren. Auf DRS-1 sprechen wir nachher mit Rolf Hartel über die komplizierten Zusammenhänge auf dem Erdölmarkt.

[Boingggtatütatütatü...]
[Verkehrsinfo vom DRS um dreizehn Uhr. Der Verkehr verläuft zurzeit störungsfrei.
Boinggg]

Und jetzt also zum Erdöl. Mit dem Rolf Hartel [H] , Geschäftsführer von der Erdölvereinigung sprach Rainer Borer [B].

[B] Herr Hartel, 2005 war das Jahr der Naturkatastrophen und auch das Jahr der höheren, explodierenden Ölpreisen. Ich konstruiere jetzt mal einen Zusammenhang. Weil das Öl jahrzehntelang zu billig war, hat man es vergeudet und es hat sich dann aus dem hohen Konsum ein Treibhauseffekt ergeben und darum gibt es jetzt die Katastrophe.

[H] Also, wie auch beim Volk gibt es in unserer Industrie dazu verschiedene Meinungen. Es gibt Firmen wie z.B. Shell und BP, die davon ausgehen, dass der Treibhauseffekt von Menschen verursacht ist und zwar insbesondere deshalb weil wir fossile Energieträger, Erdöl, Erdgas, Kohle, gebrauchen und zwar in einem Umfang, der viel grösser ist als noch vor 50, 100 Jahren geschah. Dann gibt's aber auch Firmen, das sind aber eher amerikanische, die bezweifeln, dass die heutige Klimasituation vom Menschen massgebend beeinflusst ist. Für ist letztlich die Frage ein bisschen müssig weil es viele andere Gründe gibt um mit jenen fossilen Energien, Erdöl, Erdgas, Kohle, haushälterisch umzugehen. Ich denke da in erster Linie an unsere steigende Importabhängigkeit von Regionen wie zum Beispiel der Mittlere Osten, Russland, Afrika. Und vor dem Hintergrund ist es auf jeden Fall gescheit, mit jenen Energieträgern sparsam, effizient und mit dem Einsatz von neuester Technologie umzugehen.
[eg: Der Treibhauseffekt und der Klimawandel sind in der Wissenschaft quasi unumstritten. Und wenn schon, es sollte der Grundsatz der Vorsorge (precautionary principle) gelten: besser sicher als schade (better safe than sorry). ... ]

[B] Sparsamkeit ist sicher im letzten Jahr ein von den grossen Pünkten gewesen, eben weil der Preis sich verdopppelt hat. Was sind denn jetzt die Gründe für die Preisverdoppelung? Was zum Beispiel haben Naturkatastrophen für eine Rolle gespielt, der Wirbelsturm Catarina zum Beispiel?

[H] Also Catarina un Rita hatten ja unmittelbar zu Folge, dass etwa eine halbe Million Fass pro Tag an Raffinerie kapazität un d auch Förderkapazität im Golf von Mexiko und in den Südsaaten von den USA praktisch von einem Moment auf den andern ausser Betrieb gegangen sind. Die Kapazitäten mussten ersetzt werden und das hat sicher dazu beigetragen, dass seit der zweiten Hälfte von dem Jahr die Preise so gestiegen sind, dass sie also wirklich im Brennpunkt vom öffentlichen Interesse geraten sind. Und die Sondereffekte haben sich realisiert vor dem Hintergrund von ohnehin relativ hohern Preisen. Wir sehen ja seit zwei bis drei Jahren ein konstantes Steigen von den Ölnotietungen. Dasist in erster Linie darauf zurückzuführen, dass zum ersten Mal seit sehr sehr langer Zeit die Nachfrage relativ stark gewachsen ist. Insbesondere im Jahr 2004, etwas weniger jetzt im Jahr 2005 und die Nachfrageentwicklung hat dazu geführt, dass die Reserve- und Förderkapazitäten enger geworden sind. Man muss sich einfach vorstellen, dass seit den achtziger Jahren in Sachen Raffineriekapazitäten aber auch Förderung die Erdölwirtschaft in gewissem Masse immer im †berfluss lebte. Es gab dort zu viel von allem. Und mit jener steigenden Nachfrage in den letzten Jahren, die sich wie gesagt in den letzten zweri bis drei Jahren sogar noch akzentuierte, sind die Reservepolster in allen Bereichen von der Förderung und Raffination enger geworden.

[B] Woher kommt denn die höhere Nachfrage, von China, Indien, jenen wachsenden Wirtschaften, oder auch aus den USA, die immer noch ein grosser Ölverschwender ist.
[eg: In Europa und der ganzen modernen Welt sind wir ebensosehr Ölverschwender. Für eine nachhaltige Gesellschaft dürfen wir nur einen Bruchteil der heutigen Mengen aufbrauchen. In dem Sinne ist der Unterschied zwischen uns und der USA minim. ]

[H] Tatsächlich sind es die Dritte Welt, die Schwellenländer aber auch die USA welche die Hauptverursacher für die steigende Nachfrage sind. In erster Linie ist das zurückzuführen auf die Nachfrage im Transportsektor. Dort sind ja die Erdölprodukte also Benzin und Dieselöl insbesondere die unbestrittene Nummer eins und können auch beschwerlich substituiert werden durch andere Energieträger. Und im Zug vom zunehmenden Wohlstand, neben den Mobilitätsbedürfnissen, nimmt relativ stark zu und das ist so quasi ein ehernes Gesetz, in der Energiewirtschaft. Das sieht man auch in der Schweiz, nach dem zweiten Weltkrieg und insbesondere in der Hochkonjunktur von den sechziger und siebziger Jahren hat es mit der Motorisierung so richtig angefangen.
[eg: Energiequellen wäre der bessere Ausdruck, zur Unterscheidung vom Wasserstoff, der nur ein Energieträger sein kann.]

[B] Also Öl als Schmiermittel von der Wirtschaft und von der Globalisierung im allgemeinen.

[H] Ja. Also die globale Bedeutung vom Ernergieträger [Energiequelle] Öl war in der Vergangenheit hoch und sie wird sogar in der Zukunft noch weiter steigen. Öl ist auch die Leitwährung gewissermassen im Energiemarkt, indem sich die Preise beispielsweise von Gas und Kohle. Letztlich aber auch Strom weil heute noch relativ viel Öl ebenfalls in der Stromproduktion zur Anwendung kommt. Die Preise von den anderen Ernergieträgern [Energiequellen] richten sich auch nach der Entwicklung vom Rohölpreis.

[B] Wie lange reicht denn das Öl überhaupt noch. Man kann ja eine relativ einfache Rechnung machen. Ausgewiesene Reserven gibt's tausendzweihunderd Milliarden Fass [1200 Milliarden = 2057 Mia. MWh]. Dreissig Millarden braucht man pro Jahr. Und das langt noch vierzih Jahe, oder?

[H] Also die ganze Diskussion wird von vielen falschen Vorstellungen beeinflüsst, was natürlich...

[B] Aber endlich ist der Rohstoff Öl, oder?

[H] Es ist unbestrittenermassen so, dass die fossilen Energieträger, und insbesondere natürlich die Nummer eins, Erdöl, ein endlicher Energieträger ist. Allerdings ist die ganze Reservendiskussion eben auch ein wenig beeinflüsst von falschen Vorstellungen, auch viel Mythen, die sich um unsere Branche ranken. Und die ganz Diskussion ist nur deshalb möglich weil letztlich die Frage von der Höhe der Reserven eine ist, die man nicht mit wissenschaftlich letzter Genauigkeit und Akribie für immer festhalten kann und festlegen.
[eg: Das verlangt ja niemand und ist auch völlig unwichtig. Ob das Öl in einer oder zwei oder in drei Generation aufgebraucht sein wird ist historisch betrachtet bereits morgen. Und umsomehr Öl wir verbrenne, desto mehr klimaverändernde Treibhausgase gibt es und desto weniger Öl bleibt uns für lebenswichtige Techniken, wie die Medizin. Herr Halter spricht hier ausschliesslich in seiner Funktion als umsatzorientierter Manager und vergisst dabei - wie allgemein üblich - seine gleichzeitige Verantwortung für seine Familie und die weitere Umwelt.]

[B] Wie lange langt denn das Öl noch? Eine ganz klare Prognose jetzt von Ihnen.

[H] Meine klare Prognose ist die, das Öl wird so lange ausreichen, als die Gesellschaft Öl brauchen wird. Und die Gesellschaft wird irgendwann einmal in den nächsten Jahrzehnten auf andere Energieträger und andere Systeme setzen. Aber sie wird das nicht machen weil es Öl verbraucht ist sondern weil bessere Lösungen, neue Technologien zur Anwendung kommen, die in Sachen Wirtschaftlichkeit, Umweltverträglichkeit aber auch Versorgungssicherheit und Komfort insgesamt eben auch überzeugender sind. Dass sich solche Systeme oder solche Lösungen jetzt abzeichnen, das ist allerdings grad im Transportbereich, also bei der Mobilität zu Lande zu Wasser und in der Luft heute allerdings noch nicht absehbar und so werden wir noch über mehrere Jahrzehnte auf Öl in dem Bereich basieren müssen. Wenn wir eine zahlenmässige Prognose machen wollen, dann kann man mindestens mal sagen, dass die Prognosen von der internationalen energieagentur davon ausgehen, dass der Ölbedarf bis 2030 auf ungefähr 115 Millionen Fass pro Tag steigen wird. Heute sind's 85 Millionen Fass. Unnd der Befund ist auch der, dass es möglich sein wird, den zusätzlichen Bedarf auch zu decken. Also die ganze Diskussion, ob wir jetzt den Höhepunkt überschritten haben oder ob jetzt die höhen Ölpreise Vorboten sind von knapper werdenden Ressourcen, halte ich für übertrieben, mindestens aber für total verfrüht.
[eg: Das übliche Vertrauen in einer "Lösung", die in der Zukunft liegt, die jedoch nur eine Hoffnung ist und keine Sicherheit. Ausserdem gibt es in vielen Bereichen absolut keinen Ersatz für Öl als Energiequelle und als Grundstoff für die verschiedensten Produkte. Für den Transport räumt er das ja selber ein. Ob die alternativen Energien mengenmässig ausreichen, ist sehr fragwürdig. Dass die Ölförderung mit der vorausgesagten Steigung des Verbrauchs schritthalten kann ist äusserst umstritten. Je mehr wir den Verbrauch des Öls steigern, desto schneller erschöpfen wir dessen Vorräte und desto grösser wird das Problem, Ersatz zu finden. Zudem führt diese fossile Energieflut zu den mannigfachsten Umweltproblemen, wie †berbevölkerung, Ressourcenverschleiss und Verschmutzung. Aus diesen Blickwinkeln ist des Herrn Halter's Aussage unwissenschaftlich, irrealistisch und ökologisch-gesellschaftlich verantwortungslos. ]

[B] Es gibt aber Experten und die kommen nicht nur aus dem linken und grünen Lager sondern das sind honorige Investmentbanker, die sagen, es gibt eine Preissteigerung in nicht mehr alzu langer Zeit, in den nächsten paar Jahren auf 250 Dollar pro Fass. Also nochmal eine Verdreifachung des Preises, mehr als eine Verdreifachung.
[Soll das etwa heissen, dass Grüne und Linke nicht honorig sind? Und warum sind Investmentbanker nun auch Energieexperten? Und was ist "honorig" daran, wenn man viel Geld in einer Bank verdient? Ist die Putzfrau, die das WC des Bankers sauber hält nicht genauso honorig und sogar unentbehrlicher? ]
Und zwar sagt der Mann, das ist der Matthew Simmonds, die Reserven in Saudi-arabien, die seien krass überschätzt. Wir hätten in den letzten Jahren auch keine grosse Felder mehr gefunden, wo man leicht Öl abbauen könnte. Was sagen Sie zu so etwas, Herr Hartel?

[H] Also das sind für mich apokalyptische Visionen, die fundamental unberechtigt sind. Denn in der unmittelbaren Zukunft wissen wir, dass die Erdölproduktion steigen wird.
[eg: Niemand kann Erdöl produzieren. Man kann nur abbauen, das heisst verbrauchen.]
Also das nächste Jahr geht die Industrie davon aus, dass anderthalb bis zwei Millionen Fass neues Öl auf den Markt kommen wird. Aus Saudi-Arabien, anderen OPEC-Ländern aber auch zum ersten mal seit llanger Zeit wieder aus Gebieten ausserhalb von der OPEC, Stichwort Sachalin. Denn auch Kaspisches Meer aber auch Golf von Mexiko. Und die Entwicklung wird zunehmen. Deshalb weil jetzt seit ein zwei Jahren auch die grossen intergierten Ölgesellschaften vermehrt in Erdölexploration und Erdölförderung investieren. Die Ausgaben von den fünf grössten Majors betragen heute 50 Milliarden Dollar pro Jahr im Bereich Erdölexploration und Erdölförderung.
[eg: Die Vorräte der Erde werden dennoch dauernd kleiner.]

[B] Die Majors das sind die grossen Erdölfirmen, die Erdölmultis.

[H] Das sind die grossen Erdölmultis und es ist auch so, dass grosse Teile der Welt noch unterexploriert sind, wo wir noch nicht sehr viel Vorstellung haben. Das betrifft insbesondere Russland und die angrenzenden Staaten im Süden von Russland aber auch in der Arktis und im Golf von Mexiko. Aber auch in Westafrika gibt es noch relativ viele Vorkommen, die exploriert werden könnten. Und dazu kommt, dass es nicht-konventionelle Ressourcen gibt, beispielsweise Ölsand. Wenn man die dazu nimmt, oder, dann nachher werden die immer wieder erwähneten vierzig Jahre entscheidend erweitert werden, sodass man sagen kann dass für dieses Jahrhundert noch genügend Öl insgesamt vorhanden sein wird. Und wie gesagt, das Ölzeitalter wird nicht mangels Öl zu Ende gehen sondern weil die Gesellschaft auf Grund von neuen technologischen Durchbrüche neue andere überzeugendere Lösungen finden wird.
["genügend"? Für was? Für die weitere Anreicherung der Atmosphäre mit Treibhausgasen? Zur industriellen Produktion von noch mehr Gütern und damit zur schnelleren Erschöpfung anderer Grundstoffe?

[B] Also Sie setzen bis zu einem gewissen Grad auch auf den technischen Fortschritt, auf irgendeinen Durchbruch technischer Art.

[H] Also die grossen Treiber sind ja immer die Technik und die Technologie gewesen und der Benzinmotor ist deshalb ein universelles Antriebssystem geworden weil ja vor ungefähr 100 Jahren der Henri Ford auf den Ottomotor gesetzt hat und nicht auf die Dampfmaschine und das gleiche wird wieder passieren. Offen ist allerdings in welcher zeitlichen Dimensionen, dass das der Fall sein wird...

[B] Sie wissen auch mit welcher Technologie, nehme ich an, Herr Hartel ...

[H] Und ich weiss auch nicht genau, welche Technologie das sein wird, die dann tatsächlich die herkömmliche Verbrennungsmotoren verdrängen wird. Ich sehe einfach, dass das Wasserstoffauto, die Brenstoffzelle, dass das dort die Marktreife im Verlaufe der letzten Jahre immer mehr nach hinten verschoben worden ist. Andere Energieträger wie Gas beispielsweise sehe ich eher in einer Nischenfunktion. Und die Automobilwirtschaft sagt ja für die nächsten paar Jahre, also Zeithorizont ca. 20 Jahre, dass sie nach wie vor den Hauptakzent bei den flüssigen Treibstoffen sehen werden. Kurzfristig wird das sicher dazu führen, dass wir aus Gründen vom Klimaschutz aber auch aus Gründen von der Versorgungssicherheit die flüssigen fossilen Treibstoffe versetzen wird mit biogenen Treibstoffen, beispielsweise Raps, Methylester oder eventuell auch Bioethanol.
[eg: Erstens braucht man biologische Ressourcen für die Aufrechterhaltung vom Artenvielfalt und für die Nahrungsmittelproduktion für eine immer noch steigende Anzahl Menschen. Zweitens bedeutet "versetzen" eine nur kleine prozentuale Beigabe. Das schadet dem Klimaschutz weil es nur ein gutes Gefühl vermittelt und dadurch die Einführung eingreifenderer weiterer Massnahmen verzögert.

[B] Wenn man nun sieht, der Preis ist relativ hoch, etwa das doppelte dieses Jahr, 60 Dollar pro Fass, fürs Erdöl, dann müsste man eigentlich sagen, ja, an irgendeinem Punkt muss es sich einfach rechnen, umzusteigen. Oder? Sind wir schon an dem Punkt, Herr Hartel?

[H] Ich glaube, dass im Transportbereich, also in der Mobilität, also konkret bei den Autos, bei den Schiffen und bei den Flugzeugen, dass dort das Umsteigen in absehbarer Zeit nicht möglich ist, einfach deshalb weil dort keine andere Systeme zu Verfügung stehen, die besser sind als die mit Erdölprodukten versorgten. In Wärmemarkt, also im Einfamilien- und Mehrfamilienhausbereich, dort ist es ja schon seit längerer Zeit so, dass dort ein sehr starker Wettbewerb besteht zwischen den Energieträgern. Sie können als Hauseigentümer heute praktisch jeden Energieträger zur Aufbereitung von Wasser und für die Erzeugung vom Raumwärme einsetzen, Heizöl, Erdgas, Elektroanwendungen zum Beispiel die Wärmepumpe oder Elektroheizungen. Sie können aber auch Solarpanel installieren oder eine Holzheizung. Der Wettbewerb der ist da und der hat sich im Zuge der höhen Ölpreise sicher verschärft. Die Gewichte haben sich dort verschoben und wir werden uns von unserer Industrie aus überlegen müssen, was wir dort jetzt für eine neue Strategie fahren und die Antwort wird sicher sein, dass wir im Grund aufzeigen werden, dass eine Ölheizung heute eine sehr moderne Applikation ist. [...]

[B] Dann müsste man eigentlich sagen, logische Folge wäre, dass wir sagen, gut, das Öl, das restliche Öl das uns noch bleibt, das sparen wir uns auf für den Transport und im Bereich von der Wärme suchen wir so schnell wie möglich Alternativen. [Das von ecoglobe eingeschobene Bild mag zeigen, was eine Familie alles besitzt, das Erdöl als Grundstoff hat. Öl nur als Energiequelle für Wärme und Transport darzustellen ist völlig verkürzt. Und das Bild zeigt noch nicht einmal der enorme Bereich der technischen Chemieprodukte oder der Medikamente.
]

[H] Das ist durchaus eine Option, die sich viele Leute machen. Aber ich möchte da die Wahlfreiheit vom Konsumenten an erste Stelle setzen. Er soll entscheiden, welcher Energieträger ihm passt.
[eg: Wenn man eine solche Option politisch entscheiden würde, dann wäre das die Wahlfreiheit des mündigen Bürgers.]
Und dass er ein Auswahl unter verschiedenen Energieträgern gibt, finde ich eine gute Sache. Auf der anderen Seite muss man natürlich auch die Realitäten klar ins Auge schauen. Gas und Öl sind preislich mit einander verhängt. Also der Gaspreis ist am Ölpreis gekoppelt. Erdgas ist ebenfalls ein fossiler und damit ein CO2-emittierender Energieträger. Und Und beim Strom ist es so, dass Sie zwar, wenn Sie daheim eine Wärmepumpe installiert haben, dass Sie tatsächlich bei sich keine CO2-Emissionen verursachen. Aber wenn ich den europäischen Strommix anschaue, dann ist der natürlich sehr wohl CO2-relevant. Denn ein Grossteil von der europäischen Kraftwerkproduktion emittiert nach wie vor CO2 weil wir immer noch relativ viele Kohlenkraftwerke haben und noch ein paar wenige Ölkraftwerke. Und selbstverständlich auch in zunehmenden Masse Gaskraftwerke, was ja auch in der Schweiz ein Thema ist.

[B] Stichwort CO2. Sie, Herr Hartel, beziehungsweise Ihre Vereinigung, die Erdölvereinigung, hat die CO2-Abgabe, die auch auf Transporte, eben auf Benzin geplant war, Sie haben das - ich sag jetzt nich grad gekillt [getötet], aber Sie haben da wohl geschaut, dass dort eine Alternative herkommt, ein viel kleinerer Klimarappen. Wieso haben Sie das gemacht? Also, ganz konkret, eigentlich müsste man ja sagen, wir müssten jetzt auch von der politischen Seite her schauen, dass der Umstieg irgendwie auch ein wenig aktiv geschieht. Und so eine CO2-Abgabe, die höher gewesen wäre als der Klimarappen, deutlich höher, hätte den Umstieg schneller möglich gemacht.

[H] Also ich glaube nicht an der Lenkungswirkung von der CO2-Abgabe. Und ein Blick in die vergangenen Monate und Jahre zeigt, dass die erhofften Umsteigeeffekte und die Lenkungswirkung, dass die so nicht statfinden. Wir haben im letzten Jahr eine Benzinpreiserhöhung von 30 Rappen pro Liter gehabt. Das entspricht fast der ursprünglich geplanten CO2-Abgabe. Und während der Zeit ist der Treibstoffabsatz in der Schweiz, Berzin und Diesel insgesamt, sogar noch leicht gestiegen. Also die Nachfrage ist sehr, sehr inelastisch und die 30 Rappen CO2-Abgabe hätten kaum dazu geführt, dass wir die Ziele vom CO2-Gesetz und vom Kyoto-Protokoll im Treibstoffbereich erreicht hätten. Und ...

[B] Aber die 30 Rappen zusammen mit den 30 Rappen, die der Markt diktiert haben, also 30 Rappen CO2-Abgabe plus 30 Rappen vom Markt her wegen dem hohen Ölpreis, hätten wahrscheinlich schon zu einer Lenkung geführt. Also, dass die Leute weniger Auto gefahren wären, oder?

[H] Also. Ich bezweifle das, weil es vielleicht zu einem kurzfristigen Schock geführt hätte. Aber die Erfahrung, auch im Zug von den letzten Preiserhöhungen, und auch von der letzten steuererhöhung im März 1993, damals ist der Berzinpreis nämlich auch 20 Rappen pro Liter erhöht worden, haben gezeigt, dass sich die Leute daran gewöhnen und dass ihnen die Mobilität letztlich wichtiger ist als der Preis.

[B] Wo ist denn die Schmerzgrenze? Also zum Beispiel fürs Benzin. Fürs Herumfahren, hier bei uns in der Schweiz. Zwei Franken? Zwei fünfzig pro Liter?

[H] Also, auch da gibt es keine zuverlässige Prognose. Sicher ist es so, dass ein Aufschlag massiv sein müsste, also da würde ich mal von Franken reden. Und dann müsste iner in kurzer Zeit kommen. Erst so ein Schock würde eventuell etwas bewirken. Aber von so einem Szenario wir ja auch was mindestens die Ölpreise betrifft noch relativ weit entfernt. Es gibtv allerdings schon Spuren von den höheren Treibstoffpreisen. Das zeigt sich nämlich dort, wo die Leute ein neues Auto kaufen und der Trend zu den Dieselfahrzeugen. Heute ist jedes dritte zugelassene Auto dieselbetrieben. Der Trend zu Dieselfahrzeugen ist mit darauf zurückzuführen, dass die Leute dem Aspüekt der Energieeffizienz und von der CO2-Verminderung mehr Beachtung schenken.

[B] Wir stehen bald am Ende von diesem Jahr. Rolf Hartel, ich möchte auch von Ihnen noch den Blick in die Glaskugel. Der Ölpreis 2006, wie wird sich der entwickeln. Wird der sich weiter nach oben entwickeln oder wie gewisse Banken behaupten eher seitwärts ungefähr bei 60 Dollar pro Fass Öl bleiben.

[H] Also Prognosen sind in dem Bereich ein sehr schwieriges Geschäft, weil der Ölpreis natürlich sehr stark auch von politischen Ereignissen abhängig ist, beispielsweise in den Prouzentenländern. Aber eben auch, wie das Jahr erlebt haben, von Naturereignissen. Wenn wir jetzt von einem stabilen Umfeld ausgehen, dann muss man nachher in erster Linie mal feststellen, dass die Rohölversorgung heute ausreichend vorhanden ist. Die Lager mit Rohöl sind gefüllt. Der Lageraufbau ist teilweise sogar recht dramatisch. Und das hat mindestens kurzfristig zu Folge, dass die Rohölnotierungen mehr unter Druck kommen könnten. Auf der anderen Seite ist die Nachfrage nach wie vor ungebrochen. Sie ist zwar nicht mehr so hoch wie im Rekordjahr 2004. Aber man muss auch davon ausgehen, dass die globale Nachfrage nach Rohöl auch das nächste Jahr wieder steigen wird. Und vor dem Hintergrund kann man davon ausgehen, dass der Lift nach oben einigermassen gestoppt ist, wenn nicht eben neue politische Ereignisse oder auch Katastrophen welche die Erdölproduktion betreffen eintreffen.

[DRS] Reiner Borer im Gespräch mit dem Rolf Hartel von der Erdölvereinigung. Der Rückblick auf ein nervöses Erdöljahr und die Perspektive auf dem Markt kann man noch mal hören nach zehn Uhr auf der DRS-Musikwelle. Das war rende-vous vom 28. Dezember. Redaktion Klaus Bonanomi und Georg Aufdermaur. Am Mikrofon Daniel Schmid.


Transkript und Übersetzung aus dem Schweizerdeutsch, sowie ecoglobe Anmerkungen [eg:]: Helmut Lubbers
  • Energie
    Ihre Reaktion - votre réaction
  • Startseite | Stichwortseite a-z zurück - retour - back
    ecoglobe seit 1997
    5d28-6103