ecoglobe.ch home ... Motivation
a-z   "Armut für alle"  
  • Energie
  • Genetische Technologie
  • Gesundheit
  • Initiative
  • Kernkraft
  • Klimawechsel
  • Landwirtschaft
  • Nachhaltigkeit
    > Motivation
    >> Einige Beiträge
    Armut für alle ...
  • Ökonomie
  • Politik
  • Ressourcen
  • Soziales
  • Toxifikation
  • Verkehr
  • Vorsorgeprinzip
  • Umweltschutz
  • Armut für alle - Leben für alle.
    Radio DRS1 - Doppelpunkt von Hanspeter Gschwind, vom 11.08.2002

    ... und die andere, eigentlich nur die Umkehrung der einen Frage:

    Ist die Behauptung, man könne diesen Problemen begegnen, nicht eine masslose Selbstüberschätzung, eigentlich genauso eine psychische Flucht- und Rettungsaktion die Devise, 'Irgendwie wird's schon weiter gehen'?

    Ist es nicht inbesondere eine Selbstüberforderung, wenn man verlangt, die Weltprobleme nicht von einem vergleichsweise ürbersichtlichen Fach her zu betrachten, sondern ganzheitlich?

    Isidor Wallimann will nicht von Selbstüberforderung sprechen, sondern von Angst. Angst sei es, was einen hindert, sich der Komplexität eines Problems wie des Hungers oder der Umweltzerstörung zu stellen. Und:

    "Angst hilft ja da nicht weiter. Angst hat ja die Qualität, die Menschen zu blockieren und von nötigen Handlungsschritten eher fern zu halten oder zu entmutigen als zu ermutigen. Trotzdem ist es glaube ich ein Gebot der Zeit, diese Faktoren integriert zu sehen und die Engpässe zusammengeführt auch an zu schauen, zu reflektieren und zu diskutieren."

    Angst ist die natürliche Reaktion, wenn man sich in einer ausweglosen Situation sieht. Für Isidor Wallimann ist die Situation nicht ausweglos und darum die Angst nicht die adequate Reaktion. Aber ist dies nicht Selbsttäuschung? Ist die Situation nicht faktisch ausweglos? Ist sie es nicht gerade dann, wenn man die Sicht teilt, die Wallimann und die Mitautoren von der zukünftigen Entwicklung haben, nämlich, dass einerseits die Weltbevölkerung zunimmt, andererseits die Notwendigleit, ihre Lebensbedürfnisse zu befriedigen, eine weitere Überbelastung des Ökosystems und eines Tages dessen Kollaps bedeutet? Das Buch liefert die Zahlen.

    Die Welbevölkerung hat sich zwischen 1750 und 1900 ungefähr verdoppelt. Wiederum verdoppelt hat sie sich zwischen 1900 und 1950. Während es im 19. Jahrhundert noch mehr als 100 Jahre ging, bis sich die Weltbevölkerung verdoppelte, geschieht dies heute in nur noch 38 Jahren. Um 1900 haben ungefähr 1,7 Milliarden Menschen unseren Planeten bewohnt. 1990 waren es 5,3 Milliarden und in 2025 werden es 8,5 Milliarden sein. Nur ein Fünftel der Weltbevölkerung lebt im modernen und vollindustrialisierten Teil der Welt, Osteuropa eingeschlossen.

    Etwas über sechs Milliarden heute, 8,5 Milliarden in rund 25 jahren - also wenn heute geborene Kinder kaum dem Jugendalter entwachsen sind. Noch mehr hat der Energieverbrauch zugenommen und er wird es mit der Globalisierung der Wirtschaft einerseits und mit Entwicklungsarbeit andererseits weiter tun. Weil der Anspruch an die Energie- und Landressourcen steigt, selbst wenn nicht unser hoher Lebensstandard angestrebt wird.

    Der weltweite Energieverbrauch ist bis 1950 relativ tief geblieben, auch wenn er ständig stieg. Zwischen 1950 und 1990 hat er allerdings um das siebenfache zugenommen, also weit mehr als die Zunahme der Bevölkerung, die sich in diesem Zeitraum etwa verdoppelt hat. Der grösste Teil der Energieverbrauchs wurde mit fossiler Energie gedeckt, vor allem mit Erdöl und Erdgas. Atomenergie und Wasserkraftwerke trugewn nur zu etwa 15 Prozent zur Energieversorgung bei.

    Der Energieverbrauch wächst mit der Zunahme des Bruttonationalprodukts. Daraus folgt, dass etwa ein fünftel der Weltbevölkerung etwa vier fünftel der Weltenergie verbraucht und den grössten Teil davon als Energie für die industrieproduktion. Noch einmal, ein fünftel der Weltbevölkerung - 20 Prozent - verbrauchen vier fünftel der Ernergie, das sind 80 Prozent.

    Die Reserven an fossiler Energie werden demnächtst aufgebraucht sein, auch wenn, bezogen auf frühere Prognosen der Satz bisher stimmte: "Wenn's numme gait, denn gait's denn gliich." Man fand immer neue Öl-und Gaslager und neue Methoden, sie effizienter aus zu beuten. Gerade in diesen Wochen kämpft die US-Regierung dafür, die am Nostost-Zipfel Kanadas [Alaskas] gefundenen Ölreserven an zu zapfen. Das Repräsentantenhaus hat bereits zugestimmt. Nach Angaben der Befürworter, allen voran der Präsident, dessen Reichtum aus dem Ölgeschäft stammt: 'Wenn die neuentdeckten Öllager Alaskas ausgepumpt werden, kann damit der gesamte Erdölverbrauch Amerikas von zwei Jahren gedeckt werden.

    Erdgas aus den Rocky Mountains soll zudem während sechs Jahren die gesamte Energie für die mit Gas funktionierenden Elektrizitätswerke der USA liefern. Dies erinnert aber auch daran, unbegrenzt sind die Vorräte nicht. Und neue Prognosen gehen davon aus, dass die Erdöllager in 30 Jahren erschöpft sind, die Vorräte an Gas in 50 Jahren. Bis dahin jedoch steigt mit dem Verbrauch an fossiler Energie bekanntlich auch ständig die Belastung der Umwelt mit Kohlendioxid.

    Die grossen Umweltschutzorganisationen verlangen deshalb eine Reduktion des Kohlendioxidverbrauchs von 1998 um 30 Prozent bis 2005, um die Hälfte bis zum Jahr 2020 und um 80 Porzent bis 2050. Diese Reduktionen würden in der Tat einen drastischen absoluten Schnitt im zunehmenden Ernergieverbrauch bedeuten und dies in einer Zeit von Bevölkerungswachstum.

    Mehr Menschen und weniger Energieverbrauch - wie soll dies geschehen? Dies ist nicht nur ein technisches, es ist vor allem auch ein politisches Problem. Um das politische Problem ist es ein Problem des Willens. Dies zeigt zum Beispiel der Entscheid des gegenwärtigen amerikanischen Präsidenten Bush, das Kyotoprotokoll zur UNO-Klimakonvention nicht zu unterzeichnen. Der Präsident jener Industrienation, die ein Viertel der weltweiten CO2-Abgase ausstösst, deren Autos 33 Prozent mehr Benzin verbrauchen als die europäischen, die mit rund 12000 Kilowattstunden pro Kopf und Jahr fast doppelt so viel Strom verbrauchen wie die Schweiz mit 7000 kWh im Jahr 2000. Darüber hinaus illustriert das Verhalten des Präsidenten etwas noch viel Alarmierenderes - er tut es wider besseres Wissen. Im Mai hat das Weisse Haus von der amerikanischen Akademie der Wissenschaften einen Bericht über die Frage verlangt, ob der Treibhauseffekt tatsächlich die Folge menschlichen Verhaltens sei. Der Bericht sollte dem Präsidenten für seine Europareise im Juni Argumente zur Verteidigung seiner Absage an die in Kyoto beschlossenen Reduktionsmassnahmen liefern. Die befragten 11 führenden Klimawissenschaftler und Ozeanographen mussten den mächtigen Auftraggeber jedoch enttäuschen. Ihre einhellige Antwort:

    Die Treibhausgase sammeln sich in der Erdatmosphäre als Ergebnis von menschlichen Tätigkeiten und sie bewirken eine Zunahme der Lufttemperaturen der Erdoberfläche und der Temperatur des Meerwassers. Der Temperaturanstieg ist tatsächlich messbar.

    Und die logische Folge: Abschmelzung der Polarkappen, steigende Mehresspiegel, und damit Bedrohung für all die Menschen, die an den Küsten leben. Der Bericht hat den US-Präsidenten aber keineswegs bewogen, seine Politik zu ändern. Er kann ihn einfach nicht benutzen, um die von kurzfristigen Wirtschaftsinteressen motivierte Politik zu rechtfertigen. Solches Verhalten gleicht im Prinzip der Trotzreaktion jener Automobilisten, die zur Zeit des weitverbreiteten Erschreckens über das Waldsterben mit dem Kleber herum fuhren "Mein Auto fährt auch ohne Wald."

    Natürlich ist der amerikanische Präsident kein Diktator, der allein bestimmt, wie die amerikanische Politik und Wirtschaft läuft. Und natürlich ist seine Ueberzeugung nicht die einzige in den USA. Es ist zur Zeit nicht sehr wahrscheinlich, dass er im Senat mit seinem Bestreben durchkommt, die Erlaubnis für die Ölforderung im Nordwestzipfel Alaskas zu erteilen. Die Umweltschützer leisten effizienten Widerstand. Und nach einer Umfrage des Nachrichtenmagazins Time und von CNN verlangen zwei drittel der Bevölkerung der Vereinigten Staaten, dass eindeutige Massnahmen zur Verringerung der Treinhausgase ergriffen werden. Und schliesslich haben, berichtete die Wochenzeitung "Die Zeit", sieben Spitzenvertreter einflussreicher amerikanischer Religionsgemeinschaften mitgeteilt, sie hätten "höchste Sorge, dass unser jetziger Kurs die Lebenqualität für die Schöpfung Gottes und Gottes Kinder bedroht." Vielleicht, dass diese Stellungnahme dem Präsidenten, der sich im Wahlkampf als gläubiger und praktizierender Christ gerne zusammen mit Evangelisten gezeigt hat, eher überzeugen, als die Stellungnahmen von Wissenschaftern, zu denen es überdies noch wissenschaftliche Gegenmeinungen gibt. Auch wissenschaftliche Tatsachen erweisen sich oft als Glaubensfragen oder von Interessen bestimmt.

    Mit dem Stichwort Interessen ist wahrscheinlich jener Faktor genannt, der am stärksten Entwicklungen blockiert oder aber auslöst, je nach dem, ob sie eben den Interessessen entsprechen oder nicht. Es ist nämlich nicht etwa so, dass um beim Beispiel der USA und der Treibhausgase zu bleiben, es ist nicht so, dass sämtliche industriellen Wirtschaftsunternehmen gegen eine Reduktion der Treibhausgase wären. Zwar haben die Unternehmen, welche die in den USA zur Grundausrüstung eines Haushalts gehörenden Klimageräte herstellen beim Präsidenten durchgesetzt, dass er die Verfügung seines Vorgängers Clinton betreffend Reduktion des Stromverbrauchs der Klimageräte abschwächte. Clinton hatte 30 Prozent mehr Effizienz verlangt. Bush gab nach auf 20 Prozent mehr Effizienz. Bush hat auch die staatlichen Förderprogramme für Alternativenergieen halbiert und das Forschungsgeld für die Entwicklung sparsamerer Autos gekürzt. Andererseits will der Technologiekonzern United Technology seinen Energiebedarf bis 2007 freiwillig um 25 Prozent verringern und der Chemieriese Du Pont den Ausstoss an Treibhausgasen bis 2010 um 35 Prozent senken. Die Motivation ist klar: ökonomische Interessen. Einsparungen, aber nicht nur dies. Du Pont-Sprecher Tom Jacobs erkärte gegenüber der Zeit:

    "Es wäre ein Fehler, wenn sich die US-Wirtschaft gegen den Druck, etwas gegen die Erderwärmung zu tun, isolieren würde. Sonst sind uns unsere Konkurrenten am Ende voraus." Aber wenn in der Industrieproduktion das Konkurrenzprinzip bis zu einem gewissen Grad und langsam genug dazu führen kann, nachhaltiger und umweltschonender zu produzieren, so funtioniert dies nicht beim wohl grössten Problem der Menschheit, der Ernährung von heute sechs und bald einmal acht bis zehn Milliarden Menschen.

    Wir müssen einmal mehr auf die enorme Drucksituation in Sachen Ernährung hinweisen. Wir können die Agrarproduktion intensivieren. Wir können aus unseren Rasen Gemüsegärten machen. Aber wieviel Millionen können wir mit solchen Massnahmen zusätzlich ernähren? Wir können für Proteine auf die Ozeane zurückgreifen. Aber die Meere werden schon heute überfischt. Wir können statt Proteinen mehr Getreide essen. Aber die Mengen reichen nur für die entwickelte Welt und wird um so weniger Bedeutung haben, je mehr die Bevölkerung der dritten Welt wächst. Wir können uns auf Treibhausproduktion, auf Meeresfarmen und Hydrokultur verlagern. Aber kann dies die Zerstörung von Landwirtschaftsland durch Übernutzung, Wind- und Wassererosion kompensieren? Können wir den Landverlust durch Urbanisierung und Besiedling ausgleichen? Können wir Ersatz finden für den Verlust an Pflanzenwachstum und Anbauertrag infolge der gestiegenen ultravioletten Strahlung? Wir glauben nicht, dass man sich all diesen Problemen stellen wird, ohne dass Engpässe entstehen, die Millionen Menschen ihr Leben kosten werden.

    Wir könnten mit der Aufzählung der Engpässe und Sackgassen weiter fahren und wir könnten detaillierter verfolgen, dass und wie sie in einander verflochten verlaufen und ihre lebenszerstörenden Verkehrsflüsse sich gegenseitig verstärken oder aber blockieren. All dies ist ja bekannt, spätestens seit 1972 der Bericht zur Lage der Welt Menschheit des Club of Rome mit dem Titel "Grenzen des Wachstums" erschien. Kalter Kaffee also. Kalter Kaffee - das ist genau das Problem. Kalter Kaffee ist genau so Kaffee und genau derselbe Kaffee, wie zum Zeitpunkt, da er heiss war. Er hat nur eine Eigenschaft verloren, die nicht mehr als eine Frage der Sensation, der unmittelbaren Wahrnehmung ist, seine hohe Mund und Gaumen stimulierende Temperatur. Eine in der Essenz des Kaffees nebensächliche Eigenschaft, aber eine für unser Verhalten zum Kaffee entscheidende. Die meisten Kaffeegeniesser schätzen kalten Kaffee überhaupt nicht und schütten ihn achtlos weg. Es müsste schon Eiskaffee sein oder die italienische Granita, die Kaffee mit zerstossenem Eis, damit er wieder zur sensationellen Attraktion wird. Hitze und Eiskälte sind komplementär und im Blindtest sogar verwechselbare Sensationen. Ohne die unmittelbare Wahrnehmnung der Extremsensation entziehen wir dem Kaffee unsere Aufmerksamkeit. Und so ist es mit katastrophalen Entwicklungen. Wenn sie neu entdeckt oder akkut sind, regen sie alle an oder auf. Wenn sie konstant sind, klingt die Aufregung ab und macht Apathie oder Resignation Platz. Aber nicht nur deshalb, weil die Sensation weg ist, sondern auch deshalb, weil man sich machtlos fühlt, etwas zu ändern.

    Zu Unrecht? Die aufgezählten Probleme seien menschengemacht, sagt Isidor Wallimann und sagen seine Koautoren und folglich können auch Menschen viel lösen. Aber kann man wirklich sagen, dass Menschen bewusst jene globalen Schäden herbeiführen, so wie man sich bewusst entscheidet, einen anderen umzubringen? Sind nicht all diese Engpässe die Folge eines hochkomplexen, von selber ablaufenden und sich hochschaukelnden Prozesses?

    "Ja. Ich bin auch der Meinung, diese Mechanismen haben sich verselbständigt, viel zu stark. Sie lassen sich nicht mit irgendeiner Rationalität mehr begründen. Ihr Eigenleben und die Auswirkungen dieses Eigenlebens sind so drastisch geworden, dass sie in der Tat als irrationale Mechanismen aufzufassen sind. Das soll uns aber nicht verhindern, dass es ja nur wir sind, die solche Mechanismen in die Rationalität zureckführen können."

    Aber wie das?

    Die Zukunft kann verändert werden, so lange wir die bestimmenden Kräfte verstehen und den individuellen und kollektiven Willen haben, über Eigeninteressen und Kirchturmmentalität hinauszuschauen.

    Dieser Kernsatz aus dem Vorwort des Buches über die Knappheit ist wohl richtig. Nur ist es so, dass in der Regel jene, die die bestimmenden Kräfte zu verstehen glauben, sich nicht selber zu den bestimmenden Kräften zählen. Sie sehen die bestimmenden Kräfte bei anderen und sie wollen nicht über die eigenen Eigeninteressen und ihre eigene Kirchturmmentalität hinausschauen, sondern sie verlangen das von jenen anderen, bei denen sie die Macht orten. Unabhängig von der Frage, ob zum Baispiel die Globalisierungsgegner Recht haben, wenn sie die Globalisierer dafür kritisieren, dass sie aus reinen Eigeninteressen die Welt noch mehr ausbeuten und zerstören als die bisher geschah, unabhängig davon also, ob diese Diagnose stimmt, gibt es wenig Hoffnung, anzunehmen, dass die Mehrheit der Globalisierungsgegner mit der Therapie einverstanden sind, wenn diese ihre eigenen Interessen tangiert.

    Ein Beispiel, die Verstädterung der Welt. Aus hiesiger Sicht ist die Flucht von Landbevölkerung der Drittweltländer in die Städte verhängnisvoll. Denn die meisten enden in Slums, werden ausgebeutet und verlieren ihre bisherigen Lebensgrundlagen, während gleichzeitig landwirtschaftlich nutzbares Land verkommt. Es wird also gefordert, dass die ländlichen Strukturen gefördert und die Ausdehnung der Städte in den Drittweltländern gebremmst wird, auch aus ökologischen Gründen, denn die Städte sind grosse Umweltverschmutzer. Dies alles ist an sich durchaus plausibel. Aber, sagt Isidor Wallimann, damit wird ein hiesiges Problem in die dritte Welt projiziert.

    "Also, einmal gibt's einen Riesenunterschied zwischen der Art und Weise wie Leute leben in Städten in der Industriegesellschaft, wieviel Energie dort verbraucht wird, wie viele Lebensmittel dort verbraucht werden, die von weither kommen, und den Grossstädten der Entwicklungsländer, wo ein Bruchteil der Energie verbarucht wird im Vergleich zu Städten in der Schweiz, in den USA oder Japan. Also nicht die Stadtflucht in Entwicklungsländern, wo irgendwo zwischen 60 und 80 Prozent der Bevölkerung immer noch landgebunden, also nicht in Städten arbeiten und leben, muss thematisiert werden, sondern unsere bereits verstädterte Gesellschaft muss thematisiert werden."

    In den reichen Ländern lebt die grosse Mehrheit der Bevölkerung in den Städten und belasten überproportional die Umwelt. In den Entwicklungsländern leben immer noch mindestens zwei drittel auf dem Land. Landleben bedeutet Selbstversorgung mit Lebensmitteln, wenig Mobilität, geringer Energieverbrauch. Stadtleben bedeutet Import von Lebensmitteln, grosse Mobilität, viel Energieverbrauch. Es wären zunächst also tiefgreifende Änderungen bei uns nötig, nicht in den Entwicklungsländern, um die Welt-Ökobilanz zu verbessern, zum Beispiel eben Regionalisierung der Nahrungsmittelversorgung. Und das hiesse um die Städte Grüngürtel schaffen, die nicht primär der Naherholung und der Sauerstoffversorgung dienen, sondern der Ernährung der Stadtbevölkerung ohne grosse Transportwege. Da dies aber nicht überall möglich ist, um New York city herum kann man zum Beispiel keinen Grüngürtel anlegen, wären noch viel drastischere Massnahmen notwendig.

    "Die extreme Frage ist, um nachhaltige Zivilisationen zu haben, müssten Städte entsiedelt werden, die Bevölkerung regional wieder verteilt werden, sodass im unmittelbaren Umfeld - und das wäre dann wiederum regional zu definieren - eine Versorgung der Grundbedürfnisse gewährt werden kann mit lokalen Ressourcen."

    Mit anderen Worten, Grossstädte müssten aufgehoben und verkleinert werden, Bauten, Infrastruktureinrichtungen und -installationen auf weiten Flächen abgebrochen und das Material entsorgt werden, damit das Terrain rekultiviert werden kann und für die Ausgesiedelten wären neue, kleinere Zentren zu schaffen, die ihrerseits eine regionale Versorgungsgrundlage hätten. Ein Teil der vorher in Industrie und Dienstleistungen tätigen Bevölkerung müsste zurück zur Scholle, zurück in die Landwirtschaft. Es gäbe nicht mehr überall und jeder Zeit dieselben Nahrungsmittel in derselben scheinbar grenzenlosen Verfügbarkeit zu kaufen, sondern Klima und Boden würden wieder grosse Unterschiede von Region zu Region bewirken.

    Wer ist freiwillig und aus Einsicht in die Notwendigkeit bereit, für sich selber und für die unmittelbare Umgebungsgesellschaft so tiefgreifende Änderungen im Alltag in Kauf zu nehmen?

    Isidor Wallimann erwähnt Peking als Beispiel einer Grossstadt, für die bewusst das Grüngürtelkonzept durchgeführt wurde, "um täglich die Stadt mit Lebensmitteln zu versorgen, das heisst, eine Stadt zu haben, die unmittelbar in der Region die Lebensmittelproduktion sichert." Die Durchsetzung dieses Konzepts war jedoch nur möglich durch die Diktatur. Es gab und gibt auch grosse Umsiedlungsaktionen, allerdings nicht mit dem hier diskutierten Ziel. Auch diese sind nur möglich durch Diktatur und Zwang, unter Stalin zum Beispiel, oder heute unter dem Euphemismus ethnische Säuberung. Ein anderes Motiv für kollektive Umsiedlung ist die unmittelbare und unausweichliche Not. Stichwort Völkerwanderung, Exodus, Emigration.

    Wäre eine aufgeklärte, eine von Vernunft und nachhaltigen Konzepten, nicht eine von reinem Machtstreben, von Wahn, von Rachedurst und Grausamkeit bestimmte Diktatur, der Weg zu einer lebensfähigen Weltgesellschaft mit dem Notwendigsten für alle und ohne Konsumprivileg für das Fünftel der Menschheit, der im Wohlstand lebt?

    "Ich weiss, dass es drastische Lösungen braucht. Ich möchte aber selber die drastischen Lösungen nicht einer Diktatur überlassen, weil gleichzeitig die Diktatur wieder unvorhergesehene Nebenwirkungen hat und selber wieder ein Regime darstellt, das ein Herrschaftssystem ist mit unterschiedlichen Lebenschancen. Diktaturen sind eine Verstärkung der Ungleichheit, grundsätzlich, und auch wenn sie vorgeben, gewisse Probleme zu lösen, verstärken sie meistens die Situation in die Falsche Richtung und hier ist besonders mehr Gleichheit gefragt, mehr Gleichheit in jeglichen Formen der Lebenschancen. Deswegen ist eher eine Verstärkung der Demokratie gefragt für die Lösung dieses Problems und nicht ein Hierarchisierung der Gesellschaft, eine weitere verstärkte Hierarchisierung der Gesellschaft mit einer politischen Diktatur."

    Aber ob vernunftbestimmte Diktatur oder Demokratie, das Grundproblem ist paradoxerweise dasselbe. In beiden Fällen braucht es nämlich eine kritische Masse der Bevölkerung, die freiwillig und aus Überzeugung dafür eintritt, dass bestimmte Ideen oder Ideologien verwirklicht werden. Denn auch ein Diktator kann seinen Machtapparat nur aufbauen, wenn es ihm gelingt, eine genügend grosse Zahl von Menschen von seinem Ziel zu überzeugen. Und wenn auch die grossen Diktatoren nicht nur Gewinn, sondern auch Verzicht, oft sogar Blut und Tränen in Aussicht gestellt haben, so ist doch immer wieder der Verzicht oder das Leid nur mit Blick auf einen grösseren oder wichtigeren Gewinn verkündet und in Kauf genommen worden.

    Die drastische Veränderung der Siedlungsweise in den reichen Ländern ist nur ein Beispiel für die vielen Verzichte, die in den Machtzentren der Welt erbracht werden müssten. Isidor Wallimann kritisiert grundsätzlich die Marktwirtschaft als undemokratisch, weil das Kapital und nicht die Stimme der einzelnen Personen das Geschehen bestimme. Von der Marktwirtschaft profitieren aber in den reichen Ländern nicht nur die Aktionäre, die Unternehmer und die Spitzenverdiener, sondern alles in allem der grosse Teil der Bevölkerung und deshalb hat eine fundamentale Kritik wenig Chancen, in breiten Schichten Gehör zu finden.

    Verhältnismässig bescheidene Steuerungsmechanismen, wie Ökosteuern oder Reduktion des Energieverbrauchs von Maschinen und Apparaten haben gleich den Begriff Ökodiktatur provoziert. Und dieser Begriff hat weitherum abschreckende Wirkung. Man kann sich also leicht ausmalen, welche Widerstände weitergehende Massnahmen auslösen würden, die alle Bevölkerungskreise betreffen. So lange wir selber gut leben, braucht es einige Abstraktionsfähigkeit um zu erkennen, dass es auch für uns ein Gewinn ist, wenn alle Menschen bessere Überlebenschancen haben.

    Die Vorstellung einer gerechten Weltgesellschaft dank Armut für alle ist so wenig zündend, dass kein noch so integerer und kluger Diktator, geschweige denn demokratische Bewegungen die notwendige Mehrheit hinter sich scharen könnten.

    "Verzichten auf Quantität kann so viel qualitative bereicherung bringen, dass der Verzicht gar nicht mehr als Verzicht empfunden wird, sondern als Gewinn."

    Niemand wird es bestreiten, weniger vom Vielem und mehr vom Wenigen ermöglicht ein intensiveres, ruhigeres, befriedigenderes Leben. Aber das ist eine abstrakte Erkenntnis, die als solche noch zu keinen Verhaltensänderungen führt. Abstrakte Erkenntnis hat nur abstrakte Folgen. Man sieht zwar ein, was Sache ist, und man erkennt, was der Sachverhalt für Konseqünzen fordern würde, aber man kommt nicht konkret zur Sache. Süchtige zum Beispiel wissen in der Regel sehr gut über ihre Suchtmechanismen Bescheid und können genau sagen, wie sie daraus heraus kämen. Süchtige kommen aber nur aus der Sucht heraus, wenn sie nicht nur wissen, sondern erfahren, am eigenen Leib und existenziell erfahren, dass sie zu Grunde gehen, wenn sie nich tun, was sie längst wissen.

    In Sachen Konsum, Mobilität, Verschwendung, Zerstreuung u.s.w. sind wir alle mehr oder weniger süchtig. Viele wissen das, wenige ziehen die Konsequenzen. Nicht die Erkenntnis, die Erfahrung der zerstörerischen Folgen führt allenfalls zu Änderungen des Verhaltens, zu Ausrichtung auf andere Werte und Erfüllungen und zu Abstinenz gegenüber dem Suchtmittel.

    Was immer geschieht, sogar wenn die korrigierenden und konstruktiven Massnahmen umgesetzt werden, welche die Autoren dieses Buches empfehlen, es ist wahrscheinlich, dass der Wandel schmerzhaft und gewaltsam sein wird. Es wird schlimmer kommen, bevor es besser wird - wenn's überhaupt besser wird.

    John K. Roth schrieb dies im Vorwort zum Buch über Knappheit als Überlebensprinzip. Der auf Fragen um den Holocaust und Völkermorde spezialisierte amerikanische Philosophieprofessor sagt damit nichts anderes als dass nur erfahrene Not zu Verhaltensänderung führt.

    In welcher Form kann diese Not auf uns zukommen?

    Ein Szenario ist das der Not der Bevölkerung in Dritweltländern, die zu Aufständen und noch mehr Migrationen als den bisherigen führt. Die Grundentwicklung eines anderen Szenarios wird ebenfalls in Ansätzen beobachtet, klimatische Veränderungen und Folgen der Übernutzung von Boden, Luft und Wasser, die nicht nur in Entwicklungsländern, sondern auch bei uns zu Katastrophen führen. Mit anderen Worten, die Not, die allenfalls zu drastischen Veränderungen der Lebensbedingungen und Lebensgewohnheiten führt, ist genau die Not, welche die Autoren des Knappheitsbuches vermeiden möchten.

    Je höher der Druck steigt, desto mehr werden die Gruppierungen auf allen Seiten ihre Interessen verteidigen, schreibt John K. Roth und dies ist nichts anderes als das, wovor Wallimann und Koautoren warnen.

    Das kommende Zeitalter zunehmender Knappheit und einer Reduktion des Lebensstandards führt zu einer Häufung von Konflikten, in denen ein hohes Potential von Massensterben und sogar Völkermorden liegt. Wie weit dies eintritt hängt davon ab, welche Mechanismen gefunden werden um die Folgen der Knappheit nicht nur auf bestimmte Gruppen zu kanalisieren. Und es hängt davon ab, auf welche Weise Konflikte gelöst, gemeistert oder unterdrückt werden. Ob dann aber solche gerechte Verteilmechanismen und Konfliktlösungsmöglichkeiten gefunden und angewandt werden können, ist höchts ungewiss. Mindestens so wahrscheinlcih sind mörderische Verteilungskriege.

    Der Teufelskreis in dem wir stecken ist der, so lange wir nur wissen was zu tun wäre, geschieht es nicht. Wenn die Folgen der Unterlassung eintreten, ist die Situation derart katastrophal, dass es kaum mehr möglich ist, zu tun was man vorher hätte tun sollen.

    Um zum Bild des kalten Kaffees zurückzukehren, so lange der Kaffee kalt ist, mag man ihn nicht trinken. Wenn er aber unversehens erhitzt wird, verbrüht man sich damit. Was daueber hinaus die Sache erschwert, ist das Wissen, dass das, was wir glauben tun zu müssen, nicht mit letzter Gewissheit das Richtige ist. Ob der gesunde Menschenverstand oder die Wissenschaft etwas als gegeben betrachtet,es kann sich immer wieder erweisen, dass es ein Irrtum war.

    Bleibt also nur Verdrängung der Verzweiflung?

    Verzweiflung ist keine Lösung. Dispair is no solution, schreiben Dobkowski und Wallimann. Und Roth schreibt: "Gleichgültigkeit ist der beste Freund der Verzweiflung und der willkommene Komplize des Bösen." Aber ist Engement auf die Dauer durchzuhalten wenn man immer wieder die Erfahrung macht, am kürzeren Hebel zu drücken und nichts zu bewirken? Isidor Wallimann kennt diese Erfahrung. Seine Antwort:

    "Ich hab keine andere Wahl. Ich kann die anderen nicht als einzelne Person oder als Sozialwissenschaftler dazu zwingen, sich anders zu verhalten. Ich kann auch als einzelne Person oder als Sozialwissenschftler das System nicht ändern. Ich kann also nur die Diskussion um diese Punkte herum fördern helfen. Und jetzt bin ich da relativ machtlos in dem, was ich bewirken kann. Andererseits ist es die einzige Chance und dort gilt für mich das "trotzdem"-Prinzip."

    Die Erfahrung des Misserfolgs demotiviert ihn nicht.

    "Man muss ja sehen, dass die Gesellschaft meistens definiert, was Erfolg ist und was nicht Erfolg ist."

    Diese Einsicht hat allerdings einen Haken. Denn wenn die Gesellschaft die Wertvorstellungen nicht teilt , nach denen man sich selber verhält, und den Erfolg des Verhaltens misst, dann bleibt man im Ghetto der Rechtgläubigen und Gerechten und bewirkt gesellschaftlich nichts. Und gerade dies wollen die Autoren des Knappheitsbuches - gesellschaftlich etwas bewirken. Wenn ihnen dies nicht gelingt, sind sie mit ihrem Anliegen vollkommen gescheitert.

    Wir haben am Anfang dieses Doppelpunkt gefragt, ob es nicht Vermessenheit sei, zu behaupten, mit soziologischen, ökonomischen und politischem Wissen könne man die Probleme lösen, die, wenn man sie nicht löst unweigerlich in Katastrophen führen, ökologische Katastrophen, Krieg, Völkermord. All diese Probleme seien von Menschen hervorgerufen und deshalb könnten auch Menschen sie lösen. All diese Problem hätten mit der irrationalen Seite des Menschen zu tun und sie könnten mit Vernunft gelöst werden. Wir haben vermutet, dass möglicherweise diese Probleme viel zu komplex seien um überhaupt rational erfasst werden zu können. Wenn wir uns aber vergegenwärtigen, dass das Wissen um die Probleme nicht genügt, um zum Handeln zu motivieren und dass ebesowenig das Wissen was man machen müsste zum Handeln motiviert, dann müssen wir zum Schluss kommen, dass nicht das Problem das Problem ist, sondern der Mensch, dass nicht unsere Erkenntnisfähigkeit überfördert ist, sondern unsere Handlungsbereitschaft, das nicht die Intelligenz zu gering ist, sondern die Trägheit zu gross.

    "Ja gell ... so gait's ... es gait u gait bis 's nimme gait. Wenns numme gait, denn gait's denn glii."

    Wahrscheinlich ist es doch besser, trotz aller Skepzis gegenüber dem Erfolg und wider schlechterer Erfahrungen, sich dafür einzusetzen, dass es nicht so weit kommt, dass es nicht mehr geht. Denn vermutlich hat Isodor Wallimann mindestens in diesem Punkt Recht.

    "Mein Satz wäre, es geht wie es geht bis es nicht mehr geht und dann geht es eben nicht mehr ohne einen gewaltigen Einbruch an Lebenschancen."

    Armut für alle - Leben für alle. Doppelpunkt von Hanspeter Gschwind. Neuauflage des Buches: On the Edge of Scarcity. Technik von dieser Sendung Simon Zahnd. 11.08.2002

    Transkription Helmut Lubbers.

    Buch:

    Dobkowski, Michäl & Isodor Wallimann 1998.

    "The Coming Age of Scarcity" - Preventing Mass Death and Genocide in the Twenty-first Century.

    Second edition "On the Edge of Scarcety"

    THE COMING AGE OF SCARCITY:

    Preventing Mass Deahte and Genocide in the 21st Century. Epilogü by John K. Roth.

    384 pp, index/paper= $26.95 Syracuse University Press, Ph. 800 365 8929

    CONTENTS:

    - John B. Cobb, Jr. The Threat to the Underclass

    - Chris H. Lewis, The Paradox of Global Development and the Necessary Collapse of Modern Industrial Civilization.

    - John M. Gowdy, Biophysical Limits to Industrialization.

    - Ted Traniner, Our Unsustainable Society; Basic Causes, Interconnections and Solutions.

    - Virginia Abernathy, Defining the New American Community; A Slide to Tribalism?

    - Craig Dilworth, The Vicious Circle Principle: A Contribution to theory of Population and Development.

    - Kurt Finsterbusch, The Social Impacts of Scarcity and Likely Political Responses to Scarcity in Institutionally Developed Societies.

    - Joseph A Tainter, Copetition, Expansion and Reaction; Foundations of Contemporary Conflict.

    - Roger Smith, Scarcity and Genocide.

    - David Smith, Post-colonial Genocide: Scarcity,Ethnicity and Mass Death in Rwanda

    - Waltraud Qüiser Morales, Intra-State Conflict and Sustainable Development: Lessons from Bosnia, Somalia, and Haiti.

    - Leon Rappoport, Scarcity, Genocide and the Postmodern Individual.

    • Craig A. Rimmerman, Critical Reflections on the Doomsday, Apocalyptic Vision.

    Provisorische Anmerkungen von Helmut Lubbers:

    1. "..all dies ist bekannt" - Das ist keineswegs der Fall. Die Umweltlage, die Entwicklungen und der Ernst der Lage sind nur einer ganz geringen Minderheit der Bevölkerung bekannt.
    2. "Grossstädte müssten aufgehoben und verkleinert werden, Bauten, Infrastruktureinrichtungen und -installationen auf weiten Flächen abgebrochen und das Material entsorgt werden, damit das Terrain rekultiviert werden kann" Es ist fraglich, ob dies überhaupt sinnvoll ist, in Anbetracht der Tatsache, dass wir bereits zu viele ErdbewohnerInnen sind. Andererseits würde der Abbruch und Rekultivierung enorme Ressourcen verbracuhen, die an andrer Setlle vielleicht sinnvoller eingesetzt werden könnten.
    3. "Und wenn auch die grossen Diktatoren nicht nur Gewinn, sondern auch Verzicht, oft sogar Blut und Tränen in Aussicht gestellt haben, so ist doch immer wieder der Verzicht oder das Leid nur mit Blick auf einen grösseren oder wichtigeren Gewinn verkündet und in Kauf genommen worden." - Der grosse Gewinn ist das Überleben der Menschheit unter menschenwürdigen Umständen. Das ist nicht wenig! "Nur" sehen erst sehr wenig Leute den Ernst der Lage.
    4. "Von der Marktwirtschaft profitieren aber in den reichen Ländern nicht nur die Aktionäre, die Unternehmer und die Spitzenverdiener, sondern alles in allem der grosse Teil der Bevölkerung und deshalb hat eine fundamentale Kritik wenig Chancen, in breiten Schichten Gehör zu finden." - Nochmals, es fehlt die Einsicht in die Notwendigkeit und die Querverbindungen zwischen Demokratie, gerechte Verteilung und Überlebenschancen für die Menschheit als ganzes.
    5. "Die Vorstellung einer gerechten Weltgesellschaft dank Armut für alle ist so wenig zündend, dass kein noch so integerer und kluger Diktator, geschweige denn demokratische Bewegungen die notwendige Mehrheit hinter sich scharen könnten." - Nicht eine gerechte Gesellschaft ist wichtig, sondern der wahrscheinliche Umstand, dass nur eine gerechte und demokratische Gesellschaft auch ökologisch überlebensfähig ist. Diese Verbindung den Leuten klarzumachen ist die Herausforderung.
    6. "Niemand wird es bestreiten, weniger vom Vielem und mehr vom Wenigen ermöglicht ein intensiveres, ruhigeres, befriedigenderes Leben." - Das ist eine philosophische Haltung, von der man sicher nicht annehmen kann, das alle sie teilen. Die grosse Mehrheit der Bevölkerung benimmt sich gerade gegenteilig.
    7. "Viele wissen das, wenige ziehen die Konsequenzen." - Wenn viele es wissen, was sehr zu bezweifeln ist, so ziehen sie vielleicht auch keine Konsequenzen aus anderen Gründen. So zum Beispiel: Es ist nicht so dringend; die Technik wird eine Lösung finden; oder, die Lösungen sind schon unterwegs, müssen nur noch angewandt werden.
    8. " der [] Philosophieprofessor sagt damit nichts anderes als dass nur erfahrene Not zu Verhaltensänderung führt." - Das ist eine Meinung. Man kann auch die Meinung vertreten, dass Menschen sehr wohl in der Lage sind, mit Hinsicht auf voraussehbare Gefahren entsprechende vorbeugende Masnahmen zu treffen, bevor die Not am eigenem Körper erfahren wird. Das Problem ist nicht, dass die Gefahr abstrakt ist - jede Gefahr ist abstrakt - sondern dass wir die Gefahr unterschätzen.
    9. "Der Teufelskreis in dem wir stecken ist der, so lange wir nur wissen was zu tun wäre, geschieht es nicht." - Gleiche Bemerkung wie vorher (8.)
     
     
  • Energie
  • Genetische Technologie
  • Gesundheit
  • Initiative
  • Kernkraft
  • Klimawechsel
  • Landwirtschaft
  • Nachhaltigkeit
    > Motivation
    >> Einige Beiträge
    Armut für alle ...
  • Ökonomie
  • Politik
  • Ressourcen
  • Soziales
  • Toxifikation
  • Verkehr
  • Vorsorgeprinzip
  • Umweltschutz

    On-line feedback
    webmaster@ecoglobe.ch
  • ecoglobe.checoglobe.ch homehome
    top
    ecoglobe.ch - der realen Nachhaltigkeit verpflichtet - la durabilité réelle nous oblige - committed to strong sustainability  
    ecoglobe for realistic answers
    top | Diese Seite - cette page: www.ecoglobe.ch/motivation/d/armu2811.htm | updated 12OCT2002