Postkarte an junge Menschen [e]

    Gebt nicht nach, wie wir getan haben,
    Folgt den Verlockungen nicht, verweigert,
    Verweigert, lehnt ab.
    Denkt nach, ehe ihr Ja sagt,
    Glaubt nicht sofort, glaubt auch dem Einleuchtenden nicht,
    Glauben schläfert ein und ihr sollt wach sein.
    Fangt mit einem weissen Blatt an, schreibt selber die ersten Worte,
    Lasst euch nichts vorschreiben.
    Hört gut zu, hört lange zu, aufmerksam,
    Glaubt der Vernunft nicht, der wir uns unterwarfen.
    Fangt mit der stummen Revolte des Nachdenkens an, prüft
    Und verwerft.
    Bildet langsam das Ja eures eigenen Lebens.
    Lebt nicht wie wir.
    Lebt ohne Furcht.


    Walter Bauer (1904-1976)
Englisch und Kommentar: Helmut Lubbers -

Obige Worte beziehen sich auf die Nazizeit in Deutschland. Wir würden den Rat auch anwenden auf die heutige Zeit der Machtausübung von den Grossfirmen, die immer und überall zu mehr Konsum aufrufen, mit der Ideologie, dass alles legitim ist, solange es Gewinn und Wachstum bringt.
    Am 30. Januar 1933 wird Hitler Reichskanzler. Propagandaminister Goebbels berichtet:

«Um 19 Uhr gleicht Berlin einem aufgescheuchten Ameisenhaufen. Und dann beginnt der Fackelzug. Endlos, endlos, von 19 Uhr abends bis 1 Uhr nachts marchieren unten an der Reichskanzlei die Menschen vorbei. SA-Männer, SS-Männer, Hitlerjugend, Zivilisten, Männer, Frauen, Väter, die ihre Kinder auf den Armen tragen und zum Fenster des Führers emporheben. Es herrscht ein unbeschreiblicher Jubel. Wenige Meter von der Reichskanzlei entfernt steht der Reichspräsident an seinem Fenster, eine ragende Heldengestalt, ehrwürdig und von mystischem Zauber umwittert. Mit dem Spazierstock schlägt er hin und wieder zu den RHythmen der Militärmärsche den Takt. Hunderdtausende und Hundertausende ziehen in ewigem Gleichschritt unten an den Fenstern vorbei. Das ist der Aufbruch der Nation!»

«Um 19 Uhr gleicht Berlin einem aufgescheuchten Ameisenhaufen. Und dann beginnt der Fackelzug. Endlos, endlos, von 19 Uhr abends bis 1 Uhr nachts marchieren unten an der Reichskanzlei die Menschen vorbei. SA-Männer, SS-Männer, Hitlerjugend, Zivilisten, Männer, Frauen, Väter, die ihre Kinder auf den Armen tragen und zum Fenster des Führers emporheben. Es herrscht ein unbeschreiblicher Jubel. Wenige Meter von der Reichskanzlei entfernt steht der Reichspräsident an seinem Fenster, eine ragende Heldengestalt, ehrwürdig und von mystischem Zauber umwittert. Mit dem Spazierstock schlägt er hin und wieder zu den RHythmen der Militärmärsche den Takt. Hunderdtausende und Hundertausende ziehen in ewigem Gleichschritt unten an den Fenstern vorbei. Das ist der Aufbruch der Nation!»

Walter Bauers Gedichte waren in der Zeit des Nationalsozialismus verboten.
Er schreibt 1945 über die Soldaten des Zweiten Weltkriegs: «Sicher: Sie müssen geführt werden. Aber wie müssen die Führer sein? Anders. Sie müssen eine andere Gewalt besitzen als die des Befehls [...]. Sie müssen die sein, die zuerst die Binden von ihren Augen reissen. [Die Soldaten] waren Knechte gewesen. Die Regungen ihrer Seelen waren niedergeschlagen worden [...]. Der Mensch innen war erstickt worden von Fahnen, Uniformen, Orden. Lebte er noch?» Quelle: Gedichtband für die Oberstufe, Bern, 1984
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