Wachstumsdikussion
"Nachhaltiges Wachstum" - offener Brief an eine Umweltorganisation
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Genf, 1 Februar 2005.

Sehr geehrte Damen und Herren,

Bei der Suche nach einer deutschen ‹bersetzung von Daly & Cobb's ISEW stiess ich auf Ihre Webseiten mit dem Dokument "Wirtschaftsleitbild ...". Darin schreiben Sie: "Nur nachhaltiges Wachstum ist zukunftsfähig und erhöht das Wohlergehen."

Könnten Sie mir erklären, wie Wirtschaftswachstum "nachhaltig", also immer fortwährend sein kann?

Ich meine, indem jedes Wachstum in monetären Einheiten ausgedrückt ist und diesen wieder Materialverbrauch gegenüber stehen, geht jedes Wachstum immer mit Mehrverbrauch an Ressourcen einher. Wenn weniger Ressourcen verbraucht werden, so verringert sich der Geldumsatz und findet also eine Verminderung des BIPs statt.

Das gilt auch für das sogenannte "qualitative Wachstum". Steigerung der Qualität braucht ebenfalls mehr Aufwand, sprich Ressourcen.

Es sei denn die Lebensqualität würde zuerst ganz neu definiert im Sinne von Glück, Zufriedenheit, Zukunftschancen usw. Hier ist einiges an "Wachstum" möglich. Aber nur wenn wir die gängige Steigerungsideologie radikal hinter uns lassen.

Unsere heutige Belastung der Umwelt und der Ressourcenverbrauch übersteigen bereits um ein zig-faches die von der Erde ertragbare Belastung. Diese - unsere - Belastung muss also dringlichst reduziert werden. Das braucht eine Reduktion unserer Produktion, des Verkehrs und der Geschwindigkeit.

Das kann man durch eine Umwandlung unserer wirtschaftlichen Strukturen erreichen. Das Schlüsselwort dazu heisst Lokalisierung. Man lebt wieder weitgehend dort, wo man arbeitet.

Kurzlebige Ware wird wieder durch qualitative weit bessere Ware ersetzt, die ein vielfaches der üblichen Lebensdauer aufweist. So werden Ressourcen eingespart und diese werden somit unseren Kindern zu Verfügung stehen.

Bei der heutigen Entwicklung - sprich Ausbeutung der Erde - droht ein Zusammenbruch aller Systeme, sobald eine Schlüsselressource nicht mehr vorhanden sein wird. Dabei spielt es keine Rolle, ob dies in einer oder in drei Generationen der Fall ist. Diesen Zusammenbruch müssen wir verhüten.

Ganz sicherlich werden uns das Öl für die heutige Mobilität und das Gas zum Kochen und Heizen ausgehen, ob in 25, 40 oder 50 Jahren - egal wann. Spätestens dann wird unser heutiger Wohlstand zu Ende sein.

Diese Zeilen werden ohne Angabe des Adressaten auf unserer ecoglobe Webseite publiziert, denn Sie sind nicht die einzigen, die "nachhaltiges Wachstum" postulieren.

Bundesrat Joseph Deiss meint sogar, man könne endlos weiterwachsen. Siehe www.ecoglobe.ch/politics/d/deis4217.htm.

Ich hoffe, dass Sie meine Offenheit zu schätzen wissen und ich grüsse Sie freundlich,

Helmut Lubbers

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