Kyoto und Kohlenstoff-Senken - DRS1 vom 16.2.05
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Zur Zeit schlucken Wälder und Böden etwa ein Viertel des Kohlendioxids, das die Menschheit weltweit in die Luft bläst. Wenn ein Wald oder Boden insgesamt mehr Kohlendioxid aus der Armospäre aufnimmt als dass er Abgibt, spricht die Wissenschaft von einer Senke. In den Verhandlungen um das Kyotoprotokoll haben die Senken bis zu letzt viel zu reden gegeben. Streitpunkt war insbesondere deren Verbuchung. Gemäss Protokoll ist nämlich zu unterscheiden, ob ein Wald oder Boden auf Grund von menschlichen oder natürlichen Ursachen Kohlendioxid aufnimmt. Eine wichtige Unterscheidung, denn nur die vom Menschen willentlich erbrachte Leistung, wie etwa eine Aufforstung oder spezielle Pflege, dürfe angerechnet werden, sagt Andreas Fischlin, Ökologe an der ETH Zürich, und seit Jahren mit dabei, an den Weltklimakonferenzen.

"Wenn ich einen Baum pflanze und ich tue das an einem Ort, wo ich dafür kämpfen muss, dass zum Beispiel dieser Ort überhaupt freigehalten wird für einen Baum, dann kann man ja sagen, das ist eine Leistung, die der Mensch erbringt. Wenn aber der Baum dann wächst, auf Grund des Sonnenlichts, auf Grund des CO2, das ihn hilft zu leben, der Nährstoffe, und so weiter, dann ist das kein menschliches Zutun. Und da zu sagen, wieviel dann der Anteil ist, den wirklich der Mensch geleistet hat, das ist praktisch nicht beantwortbar."

Eine Antwort aber mussten die Vertragsstaaten finden auf den heutigen Tag hin. Denn es geht um viel. Die Schweiz könnte sich nun über die Senken immerhin fast die Hälfte Ihrer im Kyotoprotokoll festgeschriebenen Reduktionsvorgaben anrechnen lassen. Auch abzuschätzen, wieviel Kohlendioxid einzelne Ökosysteme aufzunehmen vermögen, ist noch immer mit grossen Unsicherheiten verbunden. Je nach Messmethode kommt die Wissenschaft zu ganz unterschiedlichen Resultaten. Hier haben sich die Vertragsstaaten letztlich geeinigt auf ein gut 700 Seiten dickes Handbuch, eine Art Rezept zur Messung der Senkenleistung, egal, ob die erhobenen Daten nun effektiv stimmen oder nicht.

"Sogar wenn sie falsch sein sollten, ist das nicht so schlimm, denn das machen alle so und damit ist das entscheidende, den Anreiz richtig zu schaffen. Denn es bleibt gleich, trotz der grossen wissenschaftlichen Problemen, die wir versuchen, im Moment zu lösen."

Es geht also nicht so sehr um wissenschaftliche Präzision bei der Erhebung der Kohlendioxidreduktion, viel eher darum, den Kohlendampfer überhaupt erst in Fahrt zu bringen. Denn ohne die Möglichkeit, Senken miteinzuberechnen, wäre das Kyotoprotokoll kaum je zu Stande gekommen. Klar sei auch, sagt Andreas Fischlin, früher oder später könnten Wälder und Böden das geschluckte Khlendioxid auch wieder in die Atmosphäre abgeben. Senken seinen zwar ein wertvolles Ticket auf Zeit, doch die die Zivilisation von ihrer Pflicht entbinden, das täten sie nicht.

"Es ist sicherlich so, dass man mit den Senken auf die Dauer keinen wirksamen Klimaschutz machen kann. Wir müssen ganz gezielt vor allem beim Verbrauch von fossilen Brennstoffen ansetzen."

Das war ein Bericht von Marc Livingston.

(Rdio DRS vom 16.2.2005, Transkription Helmut Lubbers)

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