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Arbeit: Produktion oder Umwandlung?

Zitat aus einem Buch, dass ich mal antiquarisch erwarb und dann lange verstau(b)t war: Herbert Gruhl, "Ein Planet wird geplündert" (1976, S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main).

Seite 167: [...] Da im natürlichen Kreis wieder fast alles mit der Hand gemacht werden müsste, könnte dieser Kreis (in den Industrieländern) zwar zusätzliche Arbeitshkräfte aufnehmen, aber nur einen Bruchteil derer, duie der künstliche Produktionskreis beschäftigt. Wir schätzen, dass der natürliche Regelkreis dieses Planeten bestenfalls für 1,5 Milliarden Menschen eine Ernährungsbasis bieten kann. Aber wohlgemerkt: auf dem Lebensstandard, der in Europa vor 1850 herrschte. Daraus ergibt sich eine bittere Lehre. Die Menschheit hätte mit der plötzlichen "Sonderzuwendung", dem Import aus dem makroökonomischen Bereich, alles mögliche anstellen können - nur zu einem hätte sie sich nicht verleiten lassen dürfen: menschliches Leben zu vermehren.

Sie hat es getan. Sie hat bereits 4 Milliarden auf einen Planeten gesetzt, der auf Dauer nur 1,5 Milliarden Menschen tragen kann. Sie hat die Grenzen missachtet und missachtet sie weiterhin: "Die zahl der von'industrieller Nahrungsproduktion' lebenden Menschen wächst jährlich um 70 bis 80 Millionen Menschen und entsprechend die Zahl derer, die das unmittelbare Opfer eines industriellen Zusammenbruchs würden." Die Menschheit hat die Naturgesetze durchbrochen und geglaubt, dass sie für den Menschen nicht mehr gültig seien. Die Menschen haben sozusagen ihr Schicksal selbst in die Hand genommen. Sie wollten zeigen, wie man so etwas "richtig" macht. Nun sind sie dabei, jämmerlich zu scheitern; denn sie haben nicht einmal das Grundgesetz der Welt begriffen: dass alles nur Verwandlung ist, dass niemals Etwas aus Nichts entsteht. Die Arbeit der Menschen bestand aber in den letzten 200 Jahren darin, immer riesigere Mengen wertvollen Materials in wertloses Material zu verwandlen, nur um vorübergehend "brauchbare" Güter für sich zu gewinnen. Damit das immer schneller lief, konnte man gar nicht genug Arbeitskräfte, also Menschen bekommen. Und als man zuviel Menschen hatte, wurde behauptet, man müsse immer mehr "Arbeitsplätze schaffen", wie man so schön sagt.

Diesen Leichtsinn werden die Menschen nach den strengen Gesetzen der Natur büssen müssen. Sie werden ihre Schulden (nicht moralisch gesehen, sondern im Sinne der "Weltbilanz") bezahlen müssen. Die einzige Währung aber, die hier gilt und in der Verstösse gegen die Naturgesetze beglichen werden können, ist der Tod. Der Tod bringt den Ausgleich, er schneidet alles Leben, das auf diesem Planeten auswuchert, wieder zurück, damit der Planet wieder ins Gleichgewicht kommt.

Der Mensch kann zwar vorher noch in seiner Panik - und es ist wahrscheinlich, dass dies so kommen wird - sehr viel anderes Leben vernichten - Pflanzen, Tiere und fruchtbaren Boden. Mit den Wäldern wird schon seit Jahrhunderten so verfahren, die Meere werden zur Zeit ausgeplündert. Aber auch diese Rechnung wird beglichen: um so verheerender wird seine eigene Vernichtung ausfallen. Die Erde wird dann nämlich auch keine 1,5 Milliarden Menschen mehr ernähren können, sondern nur einige hundert Millionen oder noch weniger, die in ökologischen Nischen der Erde, die noch nicht kahlgefressen wurden, ihr Leben fristen werden.

Diese auswegslose Lage ist das Ergebnis des gewaltigen Fortschritts in der "Arbeitsproduktivität", die Folge des Einsatzes riesiger Armeen von Menschen im Ausbeutungskrieg gegen die Erde. Zur Zeit aber lebt die Menschheit noch im Siegesrausch. Erst seit dem Jahre 1973 nehmen die Zweifel zu. Der Mensch ist der Erfinder der Produktion und damit letzten Endes auch der Verursacher der Selbstzerstörung. "Immer schneller drückt steigender Bevölkerungszuwachs immer schwerer auf die Naturschätze und Naturprodukte", warnt Aldous Huxley. Die Heere der Arbeitssuchenden werden immer grösser. Die Vernichtungskapazität wächst so gewaltig, dass es keiner Atombombe bedarf, um die Erde unbewohnbar zu machen.

Darum wäre eine wirksame Entlastung der Erde nur dann zu erzielen, wenn die Zahl der Menschen vermindert würde. Dadurch könnte der Rohstoff- und Naturverbrauch auch ohne Verbrauchsbeschränkungen verringert werden. Dies würde gerade in den Ländern hpher Arbeitsproduktivität am meisten ins Gewicht fallen. Die Zahl der Arbeitskräfte reduzieren zu wollen, bedeutet demnach: die Zahl der Geburten reduzieren zu müssen.

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Ende dieses Kapitels. Ich habe schon vor vielen Jahren gesagt, dass Arbeitslose, d.h. nicht arbeitende Menschen gut für die Umwelt sind, weil sie nichts produzieren. Auch ich denke, dass die 1,5 Mia und 1850 noch viel zu optimistisch sind.

Es wird wohl noch viel schlimmer kommen, wenn eines der Produktionsfaktoren seinem Ende nähert, sei es Rohstoffe (inkl. Energie) oder Natur (sauberes Wasser, herkömmliches Gleichgewicht der Arten (Es wird immer ein Gleichgewicht geben, nur werden beim kommenden Massensterben der sogenannt höheren Arten die kleineren Asfresser und die Krankheitserreger sich zeitweilig gewaltig vermehren)).

Wahrscheinlich werden die Völker Rohstoffkriegen über einander herfallen und dabei auch die letzten Vorräte und die Umwelt endgültig zerstören. Dann würden, wenn keine Atomkriege ausbrechen, nur quasi eine Handvoll Menschen ueberleben.

Am glimpflichsten werden wir davon kommen, wenn der einsetzende Klimawandel die heutigen Produktionsstrukturen und die Zahl der Menschen dramatisch und in sehr kurzer Zeit weitestgehend zerstört bevor die Rohstoffkriege vom Zaum brechen.

Die Zerstörungen durch den Klimawandel werden wir als sogenannte Naturkatastrophen bezeichnen annehmen können und damit tritt eine natürliche Regulierung ein, ohne dass wir Menschen uns sonstwie besinnen müssen. Die Folgen des Klimawandels können mit den Folgen von zu erwartenden Rohstoffkriegen verglichen werden. Letztere werden verheerender sein, muss man annehmen, weil in solchen Kriegen zusätzlich Ressourcen vergeudet werden und in einem Atomkrieg wäre alles aus, Feierabend. Punkt Schluss der Geschichte.

Bei den verheerenden Folgen des Klimawandels kann man sie als "natürlich" bezeichen (auch wenn sie das nicht sind weil von uns verursacht). Aber man könnte in dem Fall, wie neulich in Asien beim Seebeben, gegenseitige Hilfestellungen erwarten. Die zusätzlichen Schäden durch Kriege entfielen dann.

In diesem Sinne ist der einsetzende Klimawandel eigentlich etwas relativ "gutes", der mindere von zwei Übeln. Wenn der Permafrost schmilzt und die Alpenhänge in die Täler gleiten, wird ganz Westeuropa von Überflutungen heimgesucht werden und weitestgehend unbewohnbar. Ob es allerdings schnell genug wirksam wird? Die wichtigsten Rohstoffe für unsere heutige industrielle Lebensweise gehen nach dem heutigen Wissensstand in den nächsten 2 bis 3 Generationen (50 bis 75 Jahren) aus: Öl, Gas und Natur.

Und nun? Wie bringt man Naturgesetzliches zur Annahme bei den mächtigen, die in ihren politischen und wirtschaftwissenschaftlichen Luftschlössern leben und uns ins Verderben führen?

Helmut Lubbers - ecoglobe.ch, 23.01.2005
Vergleiche
  • ECHO Thesis - status 1996 and further developments.
  • Archives écologiques
  • Gruhl Kapitel 3 Umweltverderbnis und Umweltschutz (S. 118)
  • Gruhl Kapitel 4 Der Faktor Arbeit (S. 139)
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