Der Zustand des Schweizer Waldes - 2005
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Echo der Zeit, Radio DRS1, berichtete am 26.1.2004:

Das "Waldsterben", 20 Jahre danach


Waldsterben hiess die Warnung vor zwanzig Jahren angesichts abgestorbener Wälder in den Industriegebieten Osteuropas und saurem Regen und Baumkronenvernichtungen bei uns. Mein Auto fährt auch ohne Wald war die politisch unkorrekte Retourkutsche darauf. In den technikfreundlichen frankophonen Ländern war eher ungläubig von le waldsterben die Rede und irgendwann in den neunziger Jahren war es komplett out, vom Waldsterben zu sprechen. Der Wald war doch immer noch da.

Heute bei der Präsentation dieser Forschungsergebnisse über den Zustand des Schweizer Waldes in den letzten zwanzig Jahren kam gleich zu Beginn die Bitte, diesen hochemotionalen Begriff des Waldsterbens doch nicht mehr zu verwenden. Wie sagt denn Werner Schärer, Schweizer Forstinspektor des Bundesamtes für Umwalt, Wald und Landschaft:

"Der Wald ist weder sterbenskrank noch kerngesund sondern man kann das vergleichen mit einem Schnuppen. Er ist irgendwo verschnupft und wir wissen natürlich nicht, ob sich das bessert oder ob sich das zu einer Lungenentzündung entwickelt."

Diagnose Schnupfen mit Verdacht. Der saure Regen ist zwar nicht mehr so stark, dank Heizöl ohne Schwefel und Autos mit Katalysatoren aber die Luft müsse dennoch sauberer werden. Schnupfen ist für Professor Walter Flückiger vom Institut für angewandte Pflanzenbilogie allerdings der falsche Ausdruck. Walter Flückiger, der diese Langzeitstudie leitet zum Zustand des untersuchten Waldes:

"Er steht unter Stress und vielleicht schon sehr Bildlich gesprochen ist es schon eine Grippe, nicht?" Und je nach Standort variiert diese Grippe. Gerade im Mittelland, der Ostschweiz, im Voralpengebiet und im Mendrisiotto sieht's nach starker, teilweise übler Grippe aus. Hier finden sich Waldböden, die völlig versauert sind. Ein Teil erreicht gar den Säuregrad einer Zitrone. Grund dafür sind Stickstoffe, Nitrate die über die Luft hereinkommen. Zweiter wichtiger Schadstoff bleibt das bekannte Ozon. Die Übersäuerung des Waldbodens verlangsamt das Wurzelwachstum und wirkt sich auf die Nahrungsversorgung der Bäume aus. Professor Walter Flückiger:

"Die Nährstoffversorgung, vor allem Phosfor, Magnesium, teils auch Kalium hat in den letzten zwanzig Jahren ganz stark abgenommen. Also der Wald kommt zunehmend in ein Nährstoffungleichgewicht." Die Bäume werden darum empfindlicher, der Wald schwächer und weniger stabil. "Er wird anfälliger gegenüber Parasitenkrankheiten, er wird strurmanfälliger, windwurfanfälliger, er wird trockenheitsanfälliger, das konnten wir feststellen." Und noch etwas stellen die Forscher fest: die von ihnen untersuchten Bäume wachsen nicht mehr richtig.

"Das war vor zwanzig Jahren noch ganz anders. Da hatten wir eigentlich ein Wachstum, das über den Ertragswerten stand und heute ganz stark darunter, dreissig Prozent im Mittel unterschreiten wir die Ertragsdatenwerte. Die Stickstoffbelastung der Luft müsse darum unbedingt sinken, fordert Professor Walter Flückiger und meint damit Industrie und Diesellastwagen, vor allen Dingen aber die Landwirtschaft, welche die Luft mit Stickstoffen belastet.

"Es ist sogar der Hauptammoniakemittent. Das sind die Kühe." Die Fäkalien der Kühe aber auch der Schweine setzen dem Wald zu. Beim Austragen der Jauche gelangen die darin enthaltenen Nitrate auch in die Luft und sorgen für die übersäuerung der Wälder. Das Bundesamt spricht von technischen Massnahmen. Die Jauche soll nur noch mit dem sogenanten Schleppschlauchverfahren möglichst direkt in den Boden ausgetragen werden und nicht mehr mit dem traditionellen Fass.

Deutlich weniger Viehzucht würde genauso helfen. Holland konnte mit scharfen Vorschriften innert zehn Jahren die Nitratbelastung deutlich herunterfahren. Noch nicht gelöst bliebe auch dann die Frage, was mit den bereits jetzt zu saurem Böden geschehen soll.

Waldsterben sei damals, vor zwanzig Jahren ein ungeschickter Begriff gewesen, hiess es heute an der Medienkonferenz. Von schleichender Verschlechterung darf man aber gewiss sprechen.

Echo der Zeit, Radio DRS1, 26.1.2005. Transkript: Helmut Lubbers, 5127.

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